Die positive Seite eines Magen-Darm-Infektes – Vorsicht unappetitlich

Ich stelle mir gerade fragende Gesichter beim Lesen der heutigen Überschrift vor. Ein Magen-Darm-Infekt kann irgendwie positiv sein?
Ja, aus meiner Perspektive kann er dies tatsächlich.

Eigentlich geht es mir aber wie vielen anderen Müttern auch: Ich hasse Magen-Darm-Erkrankungen. Wenn sich in meiner Nähe jemand erbricht packt auch mich der Würgereiz. Da sind auch meine eigenen Kinder keine Ausnahme. Ich meistere das zwar immer irgendwie, wenn es sein muss (wenn mein Mann da ist, darf er ran, er verkraftet das etwas besser), aber hinterher bin ich immer völlig erledigt – oder habe mich gleich selbst angesteckt.

Es war nun also wieder soweit, Mittwoch stieg Paul aus dem Taxi und sagte „Mir ist übel“. Das ist erst mal nicht ungewöhnlich, manchmal wird ihm immer noch beim Autofahren schlecht. 20 Minuten später stürmte er jedoch aus seinem Zimmer (er reagiert sich dort nach dem Kindergarten erst mal ab) in den Flur, wo immer eine große Plastikschüssel steht. Und dann hörte ich schon das obligatorische „Uaaaah“. Die jährliche Seuche hatte uns erreicht. Meinen ersten Impuls, mich unter die Bettdecke zu verkriechen, konnte ich mühselig unterdrücken und ich stand Paul zur Seite, der sich tapfer im Halbstundenrhythmus erbrach. Kurz darauf setzte auch noch Durchfall ein. Da er bis heute noch Angst davor hat, zum Stuhlgang auf die Toilette zu gehen, bekommt er normalerweise auf sein Verlangen hin eine Windel für das große Geschäft. Sofort nach Erledigung zieht er wieder seine normale Kleidung samt Unterhose an. Dies funktioniert allerdings nicht bei akutem Durchfall, habe ich inzwischen gelernt. Da Paul allerdings förmlich hysterisch wird, sobald etwas in der Unterhose ist (und wenn es nur ein Tröpfchen Urin ist), hatten wir ein Problem. Eine Windel vorsorglich tragen, verweigerte er konsequent. Also sammelten sich im Laufe des Nachmittags bis zum nächsten Morgen einige Kinderunterhosen an, die alle per Hand ausgewaschen sein wollten bevor sie den Gang zur Waschmaschine antraten. Zum Glück wirkte auch irgendwann das – in der Notapotheke der Nachbarstadt- organisierte Vomex gegen die Übelkeit, das Erbrechen ließ nach.

Was daran ist jetzt positiv? Ich sage: So einiges. Nachdem die erste Hektik abgeklungen war, fielen uns Eltern eine Menge Dinge ein, die bei der letzten Magen-Darm-Erkrankung noch erheblich verschärfend wirkten.
1. Paul konnte klar kommunizieren, dass und wann es ihm übel wurde, dies konnte er die letzten Jahre noch nicht.
2. Er ging von sich aus zur Schüssel und benutzte sie. Das mag jetzt für den einen oder anderen Leser selbstverständlich erscheinen, für uns ist es das nicht. Ich habe heute noch manchmal Alpträume vom ersten Magen-Darm-Infekt: Ein panisches, schreiendes Kind im frisch renovierten Wohnzimmer mit Teppichboden (!), das um sich schlägt, weil es sich erbrechen muss und wir versuchten, ihm die Schüssel darunter zu halten.
3. Nach der zweiten schmutzigen Unterhose wurde Paul nicht mehr hysterisch sondern sagte nur noch Bescheid.
4. Das Hände waschen auf Aufforderung funktioniert immer besser und inzwischen fast ohne Protest! Wir müssen zwar noch unterstützend eingreifen, aber es gibt kein Geschrei und keine Tränen mehr.
5. Paul nahm die Elektrolytlösung ohne großen Widerstand ein. Durch sein geringes Gewicht baut er immer recht schnell ab, weswegen der Bereitschaftsarzt uns telefonisch dazu riet. Es war oft genug ein Kampf, das Kind zur Einnahme von Medikamenten zu bekommen.
6. Das langsame Wiedereinführen fester Nahrung ging ebenfalls ohne Proteste, sonst stopfte er immer sofort alles Essbare in sich hinein, was durchaus erneutes Erbrechen auslösen konnte.

Mein Fazit: Manchmal braucht es drastische Mittel, um die großen Fortschritte aufzuzeigen, weil wir im Alltag manche Sachen einfach nicht so wahrnehmen. Allerdings muss es nicht unbedingt ein Magen-Darm-Infekt sein…

Paul selbst ist übrigens auch sehr stolz, wie gut er es gemeistert hat und hat unser Lob auch ausgiebig genossen.

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4 Kommentare zu “Die positive Seite eines Magen-Darm-Infektes – Vorsicht unappetitlich

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