Autismus und Amokläufe #AutismIsNotACrime

Im Zusammenhang mit tragischen Amokläufen und grausamen Morden (Taximord in Prag) tauchen in den letzten Wochen und Monaten verstärkt Schlagzeilen auf, dass die Täter angeblich autistisch seien. Liest man allerdings genauer nach, bleibt es in fast allen Fällen einfach nur eine Behauptung, die entweder einfach so von einem Journalisten aufgestellt wurde oder von einem Angehörigen des Täters. Eine Diagnose gibt es nicht.
Zuletzt konnte man dies bei dem Amoklauf in Kalifornien erleben. Ein junger Mann tötete mehrere Menschen bevor er sich selbst erschoss. Kurz vor der Tat stellte er ein Video ins Internet und schickte eMails an Vertraute, in denen er als Begründung angab, dass er Frauen hasse. Sie hätten ihn immer nur zurückgewiesen. Etwas, was vielen anderen jungen Männern weltweit ebenfalls bekannt sein dürfte. Trotzdem laufen sie nicht Amok. Also musste eine andere Erklärung her. Schnell war eine gefunden, die schon mit anderen Amokläufen in Verbindung gebracht wurde: Der Täter sei Asperger-Autist. Einige Quellen berufen sich dabei auf angebliche Aussagen der Eltern des Täters, andere übernahmen das in ihre Schlagzeilen völlig ohne Quellenangabe. Wie sich schnell zeigte, gab es nie eine Asperger-Diagnose. Aber der Schaden ist angerichtet.
In den Köpfen der Menschen bleibt nur hängen: „Autisten sind gefährlich“. Es kommt nach solchen Schlagzeilen immer wieder zu den absurdesten Forderungen. Man solle Autisten doch für immer wegsperren, eine öffentliche Datei einrichten, wo sie -wie in den USA die Sexualstraftäter- mit Name, Foto und Wohnort genannt werden oder sie sogar mit einem GPS-Sender chippen wie einen Hund.
Ich habe darüber nachgedacht, warum die Menschen so reagieren. Und bin zu dem Schluss gekommen, dass sie zu faul zum Denken sind es einfach nur bequem für sie ist, weil sie nicht über ihren Tellerrand gucken müssen. Eine solche Tat wie der Amoklauf in Kalifornien ist schockierend und beängstigend. Fast unwillkürlich drängt sich die Frage nach dem „Warum“ auf. Und da ist es doch herrlich einfach, die Erklärung sprichwörtlich auf dem Silbertablett serviert zu bekommen: „Der Täter war Autist. Ach so, dann bin ich ja beruhigt. Normale Menschen könnten ja so etwas nicht tun“ Und schon können sie wieder zu ihrer Tagesordnung übergehen. Die Tagesordnung, bei der Menschen, deren Nase einem nicht gefällt, die eine Brille tragen, komisch sprechen, Ausländer oder arm sind, gnadenlos ausgeschlossen werden, gemobbt werden, verprügelt und diskriminiert werden. Schöne heile Welt.

Ein PS für die Suppenschüsselsitzer: Studien belegen, dass Autisten weitaus weniger (!) Gewalttaten begehen oder dazu neigen als die so genannten „normalen“ Menschen. Vielleicht sollte man ja alle „normalen“ Menschen für immer wegsperren?

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