Die Windelsache oder Geduld zahlt sich aus

Ich habe einen riesigen Fortschritt zu vermelden und möchte anderen Eltern damit Mut machen. Paul hat es geschafft! Heute Abend werden wir in einer kleinen Zeremonie die Windeln verabschieden (zumindest für Paul, der kleine Bruder braucht sie noch) und am Dienstag bekommt er dann sein lang ersehntes Radio.

Aber von Anfang an: Als Paul etwas über 3 Jahre alt war, fiel uns Eltern auf, dass er sowohl seine Blase als auch seinen Darm kontrollierte. Wir freuten uns und hofften, ihn bald „sauber“ zu bekommen. Wir erinnern uns: Das war über ein Jahr vor der Diagnose. Wir machten das, was wohl alle Eltern tun: Wir boten das Töpfchen an. Anfangs setzte sich Paul auch bereitwillig darauf, hatte aber keinen „Erfolg“. Also völlig „normal“.

Eines Tages schrie er beim bloßen Anblick des Töpfchens plötzlich (und für uns völlig überraschend) los und war überhaupt nicht zu beruhigen, bis wir das Töpfchen wegräumten. Wir waren irritiert. Das besserte sich auch die nächsten Tage nicht. Die Erklärung bekamen wir dann eher zufällig: Paul war gerne bei seinen Großeltern, er ging alle paar Tage für ein paar Stunden zu ihnen. Und die Oma meinte es besonders gut, setzte ihn dort auf´s Töpfchen – und hielt ihn fest als er nicht mehr mochte. So seien wir ja schließlich auch trocken geworden, außerdem würde es ja höchste Zeit, er wäre immerhin schon 3. Erfolg hatte sie damit allerdings nicht. Dieses Erlebnis hatte in Paul anscheinend so große Ängste ausgelöst, dass wir letztendlich aufgaben. Als Zwischenstand hatten wir erreicht, dass Paul Unterhosen trug und nur für seine kleinen und größeren Bedürfnisse eine Windel verlangte, die nach „Erledigung“ sofort wieder abgemacht werden musste.

Erst 3 Jahre später (im letzten Juni) war Paul wieder soweit, dass wir ihn in einer günstigen Situation dazu bringen konnten, dass er in die Toilette pullert. Er war in der Badewanne, als er plötzlich dringend musste. Ehe wir ihn abgetrocknet hätten, um ihm die Windel um zu machen, wäre es zu spät gewesen. Also stellten wir ihn nass wie er war vor die Toilette, ermutigten ihn und ließen das Wasser laufen. Nach 2 Minuten hatte er es geschafft. Wir lobten ihn überschwänglich. Er war so stolz auf sich, dass er es überall erzählte. Danach bekam er von uns keine Windel mehr zum Pullern. Nach 3 Tagen verlangte er auch nicht mehr danach. Durch einen glücklichen Zufall fuhren wir das Wochenende danach auf einen Kurzurlaub, auch dort benutzte er die Toilette. Danach war es für ihn kein Problem mehr, auch „fremde“ Toiletten aufzusuchen. Das Generalisieren war gelungen.

Jetzt -1 Jahr später- geht er auch für das „große Geschäft“ auf die Toilette. Seit Monaten hängt in unserem Bad ein Plan mit 2 mal 7 Kästchen. Für jeden Tag Stuhlgang ohne Windel darf er ein Kästchen durchstreichen. Da er sich schon seit einiger Zeit einen eigenen CD-Player wünscht, bekommt er diesen als Belohnung. 14 Tage habe ich ausgewählt, da dies ungefähr der Zeitraum ist, den er benötigt, um sich an eine Umstellung seiner Rituale zu gewöhnen und danach nicht wieder in alte Muster zurück zufallen.

Ihr, liebe Leser, dürft jetzt alle mit uns feiern! Wir sind sehr stolz auf Paul!

 

Ach ja. Die Autismustherapeutin schlug uns kurz nach der Diagnostik auch ein Toilettentraining vor. Wir sollten ihn in bestimmten Zeitabständen immer wieder drauf setzen. Das ging aber an Pauls Bedürfnissen vorbei, er hatte ja Kontrolle über seine Ausscheidungen. Gegen Versuche, ihn einfach drauf zu setzen, wenn er nach einer Windel verlangte, wehrte er sich sehr heftig. Wir als Eltern hatten auch keine große Priorität auf dem „Sauberwerden“, deshalb haben wir es nach ein paar Versuchen auch wieder gelassen. Die Gelassenheit bei diesem Thema war es wohl, die uns jetzt ganz ohne Zwang und Machtkampf zum Ziel geführt hat.

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3 Kommentare zu “Die Windelsache oder Geduld zahlt sich aus

  1. Mit Geduld das ist das Zauberwort meiner wird neun er kann zwar kontrolieren aber die Toilette ist besten falls intressant weil da Wasser drin läuft ………. Herzlichen Glückwunsch dem Junior

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