Und wieder ABA – Eine Replik

Unter dem letzten Blogpost zum Thema Umgang der ABA-Befürworter mit Kritik wurde von einem Kommentator gefordert, sich doch mal eine bestimmte Webseite anzusehen.

Oh Herr laß Hirn vom Himmel regnen. Vielleicht lest ihr mal das: http://lernen-mit-autismus.de/41152/42016.html

Ich frage mich ja immer, wieso ABA-Befürworter glauben, dass sich Kritiker niemals mit ABA beschäftigt haben. Ich persönlich kritisiere nur, was ich auch kenne. Die erwähnte Webseite ist nicht neu für mich, aber ich bin der Bitte trotzdem nachgekommen und habe die Seite erneut gelesen. Als erstes war ich angenehm überrascht. Noch vor relativ kurzer Zeit drückte sich die Seite sehr viel unkritischer pro ABA aus. Inzwischen wurde doch so einiges relativiert.

Schauen wir uns die Seite also mal an.

Die Einleitung wurde inzwischen überarbeitet und geht auf die Verantwortung von Therapeuten und Eltern bei der Auswahl der Therapieangebote ein. Das gefällt mir gut. Dann wird über die verschiedenen Extrempositionen zwischen ABA-Kritikern und ABA-Befürwortern geschrieben. Das ist mir zu platt und kommt leider nicht ohne Seitenhiebe auf die Kritiker aus.

Frage mich dann immer, wie viele stark beeinträchtigte frühkindliche Autisten ein so dozierender sprachlich topfitter Mensch aus dem Autismus-Spektrum schon verantwortungsvoll erzogen hat? Und das ist keine rethorische Frage, ernstgemeinte Hinweise extrem begehrt meinerseits!!)

Die Frage ist schon ein wenig unter der Gürtellinie. Man darf als erwachsener Autist erst dann eine Meinung haben, wenn man selbst einen stark beeinträchtigten frühkindlichen Autisten erzogen hat? Das erinnert mich doch schwer an eine typische Aussage der „MMS heilt Autismus“-Fraktion. Die behaupten ja auch, man könne nicht wissen, dass ein ätzendes Bleichmittel ein ätzendes Bleichmittel ist, wenn man es nicht selbst genommen hat. Da ich einen frühkindlichen Autisten erziehe, gehe ich aber mal großzügig davon aus, dass ich berechtigt bin, meine Meinung zu ABA äußern zu dürfen.

Dann kommt wieder der Vorwurf, den ich oben schon erwähnt hätte, dass die Kritiker ja sowieso nicht mehr wüssten als „irgendwas mit Gummibärchen und Hundedressur“. Das dies nicht stimmt, kann man problemlos nachlesen, wenn man denn will.

Es gibt nicht DAS EINE ABA/VB!

Natürlich schwankt die Umsetzung von ABA je nach Anbieter, Therapeut, Co-Therapeut und Eltern. Aber man kann davon ausgehen, dass da wo ABA draufsteht, auch ABA drin ist. Ansonsten ist es kein ABA. Es scheint zwar momentan irgendwie in Mode zu kommen, Therapien ABA zu nennen, die eigentlich einen ganz anderen Hintergrund haben (vermutlich aus finanziellen Interessen), aber die müssen dann halt schlicht damit leben, mit den großen ABA-Anbietern und den gängigen Definitionen in einen Topf geworfen zu werden. Es ist nach meiner Definition kein ABA, wenn einfach nur mit einem Verstärkerplan gearbeitet wird. Es ist kein ABA, wenn Regeln konsequent umgesetzt werden. Wenn einfach nur ein paar Elemente wie das kleinschrittige Lernen angewendet werden, ist es kein ABA.

Wenn Sie also irgendwo, sei es im Internet oder direkt bei einem Anbieter, eine Umsetzungsform von ABA gesehen haben, dann muss einem bewusst sein: Das war EINE Umsetzungsform davon. Diese gilt nicht stellvertretend und allgemeingültig für alle Menschen, die ABA/VB anwenden. Vielleicht haben Sie eine Variante gesehen von jemandem, der sein Wissen nicht nach ethischen Grundsätzen anwendet.

Das ist natürlich praktisch, so zu argumentieren. „Wenn Sie das, was sie als ABA kennengelernt haben, doof finden, dann war es das falsche ABA“. Witzigerweise kommt diese Art der selbstimmunisierenden Argumentation sehr häufig von ABA-Befürwortern. Dagegen hilft nur, die genaue Definition und Umsetzung des „richtigen“ ABA zu erfragen und darauf aufbauend weiter zu argumentieren. Leider sind nur wenige Befürworter dazu auch bereit.

Und somit sollte es sicher zur Diskussion stehen: Wie zeitlich umfassend muss eine Therapie ausfallen? Geht es nicht viel eher um ein Grundverständnis, wie Lernen funktioniert, als ein tagtägliches starr ausgearbeitetes Trainingsprogramm?

Das klingt ja gut. Nur geht ABA leider grundsätzlich von einem fehlerhaften Verständnis des Lernens aus. Dies jetzt einzeln aufzudröseln würde den Beitrag sprengen.

Ich habe einige Jahre ABA/VB mit meinem Sohn gemacht, aber dieses zeitlich weder „hochintensiv“ noch unterbinde ich seine für ihn geliebten Stereotypen wie Bändchen-Wedeln.

Und da sind wir wieder an dieser schwammigen Definitionsfrage. Ist es nun tatsächlich ABA oder wurden da einfach ein paar nützliche Elemente herausgegriffen und umgesetzt? Wenn man gewissen lautstarken ABA-Verfechtern glauben darf, ist eines der Kernelemente die hohe Stundenzahl pro Woche, weil es ja sonst nichts bringen würde.

Ich weiß weder wo wir heute wären, wenn ich es hochintensiv gemacht oder wenn ich es im Gegenteil ganz gelassen hätte.

Richtig, man weiß es nicht. Von daher kann ABA geholfen haben oder auch nicht.

Es werden dann ein paar Fortschritte in der Kommunikation des Kindes beschrieben. Fortschritte wie sie auch Paul gemacht hat. Das kann man also nun nicht ABA anrechnen, es könnte auch einfach nur ein zeitlicher Zusammenhang bestehen. Von ABA-Verfechtern wird gerne vergessen, dass die Kinder sich auch gänzlich ohne Therapien weiterentwickeln.

Das war das Vorgeplänkel. Jetzt geht es sprichwörtlich ans Eingemachte. Die Seite hat es sich ja zum Ziel gemacht, mit den Vorurteilen über ABA aufzuräumen.

1. Vorurteil: Die stopfen doch immer nur Süßigkeiten in den Mund…

Das habe ich so noch nie gehört, aber gut.

Wer bloß hier und da mal verstärkt, arbeitet noch lange nicht nach ABA/VB.
Er muss auch jedes folgende einzelne Thema beherrschen und zwar alle zusammen im komplexen Zusammenspiel:

Ich gehe auf die entscheidenden Punkte einzeln ein.

An allererster Stelle: Die MOTIVATION des Kindes! Man muss genau wissen, was das einzelne Kind motiviert. Das können bei jedem Kind komplett andere Dinge sein. Und ich muss ein Gefühl für „natürlich motivierende Situationen“ haben. Das sind die besten Situationen um neue Fertigkeiten zu lernen.

Die Motivation. Was bei diesem Punkt fehlt ist die Folge daraus. Um das Kind zu motivieren, werden dann nämlich die motivierenden Dinge aus der Kontrolle des Kindes entzogen bzw. eingeschränkt. Hätte es weiterhin unbegrenzten Zugang, wäre es ja nicht zur Mitarbeit motiviert.

Sich auf die Ebene des Kindes begeben und schauen, woran es Spaß hat (und das kann extrem verschieden sein, von dem was man selbst als spaßig empfindet) („Pairing“)

Es gibt sicherlich Fälle, in denen Eltern und Therapeuten zielsicher erkennen, woran das Kind wirklich Spaß hat. Leider habe ich zu oft das Gegenteil gesehen und gelesen. Ein Beispiel: In einem Video wurde als Spaß deklariert, mit dem Kind „Monster“ zu spielen. Die Mutter jagte laut Monstergeräusche machend hinter dem Kind her, um es zu fangen. Der Körpersprache und den Reaktionen des Kindes war aber deutlich zu entnehmen, dass es ihm zu laut war und es den Körperkontakt abwehren wollte.

Verhalten konkret analysieren (was passierte kurz davor, was kurz danach?)

Nur analysieren nutzt aber überhaupt nichts.

Ein spannender und motivierender Unterrichtsbogen.

Unterricht. Doch kein Spaß und Spiel?

Anwenden und Ausblenden von Hilfen („Prompts“)

Sind häufig körperlich, was nicht unbedingt zur Entspannung beiträgt.

Fehlerfreies Lernen (die Offenbarung für meinen Sohn schlechthin: Das erste Mal richtig stolz sein können auf die eigene Leistung!)

Das Kind darf also nur dann stolz sein, wenn es etwas absolut fehlerfrei kann? Das ist nichts, was ich meinen Kindern als Mutter so vermitteln möchte.

Lehren in kleinsten Einheiten („Discrete Trial Teaching“)

Klar, damit es fehlerfrei lernen kann.

Verkettung von Fähigkeiten („Chaining“)

Baut auf den kleinsten Einheiten auf. Ist also logisch.

Korrekturverfahren => hilft Fehler zu korrigieren und endet immer mit Verstärkung, um dem Kind das Gefühl zu vermitteln, dass Lernen sich lohnt und Spaß macht

Fehler korrigieren? Wie war das mit dem fehlerfreien Lernen weiter oben? In meinen Augen gehören übrigens Fehler zum natürlichen Lernen dazu. Beispiel Laufenlernen: Das Kind zieht sich an Gegenständen oder den Händen der Eltern hoch. Anfangs wackelig später immer sicherer. Es wird auch immer wieder umplumpsen. Irgendwann setzt es einen fuß vor oder neben den anderen und hangelt sich so an seinem Halt entlang. Wenn es dann genügend Sicherheit entwickelt hat, macht es die ersten freien Schritte. Und natürlich fällt es dabei auch öfter mal um. Daraus lernt es. Irgendwann läuft es dann sicher.

Transferverfahren => Übertragungsverfahren, um von bereits bekannten zu neuen Lerninhalten zu gelangen.

Generalisierung => damit neue Fähigkeiten auch situationsunabhängig abgerufen werden können

Das ist jetzt eine Aufzählung, keine Erklärung. Aber ja, Generalisierung kann Autisten schwer fallen.

Verbal Behaviour => Anbahnung von Sprache („Mands“)

Da gibt es bessere Ansätze.

A pro pos Verstärken: auch das geht nicht „einfach so“, sondern muss je nach Kontext sehr differenziert („Minikonsequenzen“) angewendet werden… .

Logisch. Das Kind soll ja nicht das Interesse an den Verstärkern verlieren.

…. Sie sehen, nur mit einer Tüte Gummibärchen im Gepäck würden Sie nicht weit kommen… Und die hier beschriebenen Ansätze sind nicht explizit für autistische Kinder entwickelt worden. Sie zeigen, wie man lernen lernt. Wer auch immer auf diesem Planeten etwas lernt, egal ob 2, 4, 6 oder 8 Beine…. .

Und da ist sie wieder, die grundfalsche Annahme, man würde immer und ausschließlich nur auf diese Art lernen. So funktioniert es eben nicht. Mein Beispiel mit dem Laufenlernen von weiter oben soll an dieser Stelle aber einfach mal ausreichen als Erklärung.

Ich habe jetzt schon sehr viel geschrieben, deswegen gehe ich auf die weiteren erwähnten Vorurteile auf der Seite nur kurz und knapp ein.

2. Vorurteil: Sowas macht man doch nur mit Vier- bis Achtbeinern

Manche denken entsetzt: Dieses Konditionieren ist etwas, dass dem Abrichten von Haustieren vorbehalten ist. Der Mensch ist dem erhaben und eine Ebene wie „Mach so“ => „Gut gemacht“ => „Verstärkung“ unter seiner Würde.

Vorerst nur soviel: Ihr Gehirn macht den ganzen Tag nichts anderes mit Ihnen. Es setzt Ihre Verhaltensweisen mit Hilfe seiner Botenstoffe auf Verstärkung (wie z. B. durch gehirneigene Opiate) oder Löschung. Von dem ausgeküngelten Belohnungssystems Ihres Gehirns könnten Sie viel lernen. Und nur weil Ihre Gehirn ein solch ausgeklüngeltes Belohnungssystem nutzt, haben Sie überhaupt die Fähigkeit zu lernen und sie lernen jeden Tag, ob sie wollen oder nicht.
Und genauso kann man sagen: Verstärkung und Löschung passiert den ganzen Tag, in jeder Interaktion mit Ihren Mitmenschen (und Tieren ;o) ob Sie es jetzt gezielt einsetzen, oder der Meinung sind, das ist nicht ihr Ding. Das kann man nun doof finden, trotzdem sollte man sich klar sein: es ist keine Erfindung der Behavoristen, sondern nur deren Beobachtung, das „copyright“ liegt also woanders…. . (Und wie gehabt: Ja, natürlich haben auch andere Lerntheorien ihre Berechtigung. Kein entweder oder, keine Extrempositionen bitte.)

Das Belohnungssystem im Gehirn funktioniert etwas anders als beschrieben, aber der Autor der Seite wünscht ja keine weiteren Erklärungen dazu. Frei nach dem Motto: Ich weiß zwar nicht, ob es stimmt, aber es ist mir auch egal. Nun ja.

3. Vorurteil: Da wird der eigene Wille des Kindes gebrochen

Viele sagen ABA und meinen das alte LOVAAS. Ja, sie haben gemeinsame Wurzeln, aber nein, in der Art der Durchführung und Ihrer Haltung dem Kind gegenüber haben sie nicht mehr viel gemein.

Modernes ABA/VB funktioniert nur, wenn die Kinder Spaß dabei haben. Hat das Kind kein Spaß an der Therapie, machen Sie -aus ABA/VB-Sicht- irgendetwas nicht richtig.

Praktisch. Wenn das Kind nicht mitspielt, dann machen Sie als Eltern was falsch. So schnell ist die Schuld abgewälzt.

Modernes ABA/VB findet nur zu einem ganz geringen Teil an einem festen Platz wie einem Tisch statt. Die meiste Zeit wird „in natürlicher Umgebung und Situation“ gelernt. Was heißt das konkret: Soll das Kind das Wort „Keks“ lernen, so saß es früher bei LOVAAS starr am Tisch, sah ein Photo mit einem Keks und sollte darauf hin „Keks“ sagen. Beim modernen ABA/VB wird der Begriff „Keks“ in der Sekunde gelehrt, wo das Kind in der Küche steht und die Hand der Mutter zur Keksdose führt. Wenn es also einenatürliche, hohe Motivation hat, das Wort „Keks“ zu lernen.
Dadurch dass es die Kommunikation immer besser lernt, breche ich nicht seinem Willen. Im Gegenteil, ich bringe ihm einen Weg bei, seinen Willen besser äußern zu können und ihn somit noch schneller ohne leidvolle Missverständnisse befriedigt zu bekommen.
Ich habe im Netz gelesen, dass ABA-Gegner selbst das ganz schrecklich finden. Aber dann ihr werten Mitstreiter, nennt doch bittte Eure Lösungstrategien! Ein Kind, das immer wütender wird und weint und weint, weil man ihm alles reicht, nur nicht den heißersehnten Keks (weil man das Weinen eben leider nicht so spezifisch deuten kann) ist in meinen Augen nicht die bessere Alternative. Und nein, man hält dem hungrigen Kind nicht eine halbe Stunde den Keks vor die Nase, bis es endlich „Keks“ gesagt hat. Man schaut, auf welcher Stufe der Kommunikationsmöglichkeit es ist und wenn seine nächste Stufe lautet auf etwas mit dem Finger zu deuten, dann ist das ein toll ereichtes Ziel, zu dessen Erreichung ich ggf. die oben genannten Elemente wie fehlerfreies Lernen, prompting etc. angewendet habe. Frust und Ohnmachtsgefühle gehören definitiv nicht in das korrekt angewandte ABA-Repertoire. Was ein extrem hoher Anspruch ist. Denn wer weiß es nicht aus seiner eigenen Schulzeit: Lernen durch Spaß und natürliche Motivation war da oft Mangelware.

Das ist jetzt nichts, was ABA-exklusiv wäre. Aber wer wird schon so auf die Feinheiten achten.

Und: ABA heißt übersetzt: „Angewandte VerhaltensANALYSE„. Wenn ich durch genaue Verhaltensbeobachtung herausfinde, was ein Verhalten ausgelöst hatte, und wodurch es weiterhin verstärkt wurde, kann ich Vorkehrungen treffen, dass die auslösenden Momente beim nächsten Mal gar nicht mehr auftreten.
=> Ich ändere also das Umfeld, nicht das Kind.

Einfaches Beispiel aus der Praxis: Wen mein Handy klingelte, wurde mein Sohn kurz darauf immer ganz hysterisch und rastete ganz schnell aus. Die Beobachtung zeigte klar, dass das Handyklingeln der auslösende Reiz für sein Verhalten war. Fortan stellte ich es auf „lautlos/summen“ und wir haben beide Ruhe :o). Ich habe also nicht seinen Willen gebrochen, sondern im Gegenteil geschaut, was es in der Umwelt für Reize gibt, die nicht in seine autistische Welt passen und diese entfernt.

Das wiederum ist ziemlich untypisch für ABA. Geht es dann allerdings nicht mehr um ein klingelndes Handy sondern um komplexere Themen wie ein Kind, was laut summt um seine Umgebungsgeräusche zu überdecken, wird plötzlich Anpassung verlangt, damit das Kind z.B. beschulbar bleibt.

4. Vorurteil: Das ist so lieb- und spaßlos…

Klare Maßgabe von  ABA/VB: 75 % der Zeit Spaß haben mit dem Kind, ohne konkrete An- oder Aufforderungen. Das klingt jetzt etwas mathematisch und soll auch einfach als Richtwert zeigen, welch hohen Anteil diese Komponente bei ABA/VB hat. Und hätte sie es nicht, würde sich das gleich in der Effektivität rächen. Das merkt jeder der hier anfängt, diesen Anteil zu vernachlässigen… .

Doch nur 75 % der Zeit? Und der Rest? Stand oben nicht, dass die Eltern etwas falsch machen, wenn das Kind keinen Spaß hat? Hmmm…

Manche schreckt auch diese „Mach so“ – „Mach so“- „Mach so“-Stakkato-Befehle ab. Ich habe das mal in einem amerikanischen Video gesehen und bei meinem Sohn ausprobiert, und er fand das so lustig, dass er nur noch kichern konnte und immer weiter machen wollte. Ich konnte aber bald nicht mehr…. .
Die Kernelemente von ABA/VB habe ich unter dem ersten Punkt aufgelistet. Dazu zählt weder, dass man wie ein „Roboter-Therapeut“ loslegen soll, noch dass von Morgens bis Abends das Kind „zwangsbespaßt“ wird. Letztendlich verhält es sich wie mit jeder Therapie: Mäßig aber regelmäßig und immer unter Bedacht der individuellen Persönlichkeit aller Beteiligten. Wenn ich das nicht beachte, kann jede Art der Interaktion schaden, egal welches Label sie trägt.
Letztendlich kommt es immer auf Sie persönlich an, was Sie daraus konkret machen!

Da sind wir wieder bei „Und wenn Sie ABA doof finden, dann war es nicht das richtige ABA“.

Aus dem Leben: Mein Sohn liebt seine Babysitterin, die in ABA/VB ausgebildet ist, heiß und innig und freut sich schon den ganzen Tag, wenn ich ihm morgens sage, dass sie nachmittags vorbei kommt. Mit ihr hat er richtig Spaß. Weil ABA/VB-Anwender genau hinsehen, was dem Kind wirklich Spaß macht. Und zwar aus der Sicht des Kindes, nicht des Pädagogen. Da kann es eben passieren, dass man bei Gummibärchen landet. Oder bei Bob-der-Baumeister-DVDs. Oder bei Aktionen, deren Spaßgehalt man als neurotypisch veranlagter Mensch schwerlich erkennen kann. Ganz egal, die Deviese gilt: „Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler“.
Letztendlich müssen Sie es aber schaffen selbt zum Verstärker zu werden, nur dann können sie effektiv unterrichten. Meine Babysitterin hat es geschafft.

Mir drängt sich die Frage auf, warum denn die Babysitterin auch noch mit dem Kind lernen muss. Darf das Kind eigentlich auch mal einfach Kind sein und mit der Babysitterin spielen, wie es selbst das möchte? Oder eben auch nicht interagieren, wenn es gerade nicht will? Damit eine Person zum Verstärker werden kann, werden dann Methoden wie Missachtung oder Liebesentzug angewendet. Nur wird dieser Punkt einfach verschwiegen.

5. Vorurteil: Das ist ja gar nicht richtig gelernt

Habe ich in der Form noch nicht gehört und würde ich auch nicht so sagen. Ich bin allerdings ein Fan davon, meinem Sohn zu erklären, warum etwas so ist wie es ist. Oder warum er etwas tun soll. Wenn er aus Einsicht etwas macht, fällt auch das Generalisieren leichter.

6. Vorurteil: ABA-Anbieter wollen Autismus „besiegen/beseitigen“

Der Autor der Seite distanziert sich davon. Das ist schön für den Autor, erklärt aber nicht die Kampfrhetorik auf den Seiten der Anbieter und der extremen Verfechter.

Das bedeutet aber für mich nicht, dass mein Sohn nicht in den Genuss von Erziehung und Bildung kommen darf.

Diese Aussage impliziert, dass Eltern, die kein ABA machen, ihre Kinder weder erziehen noch ihnen Bildung zukommen lassen. Das ist ziemlich unverschämt.

So, Sie haben es geschafft! Vielen Dank, dass Sie sich die Mühe gemacht haben, sich auch mal die Argumente der Anderen anzuhören! Da haben Sie vielen Zeitgenossen, die lieber blind Ihre Vourteile pflegen wollen, schon viel Voraus!

Jetzt werde ich doch mal sarkastisch: Wie kommt man darauf zu behaupten, dass Kritiker ja nur „blind ihre Vorurteile pflegen“? Ich habe schon sehr viel sachliche und differenzierte Kritik an ABA gelesen. Diesen süffisanten und gönnerhaften Unterton hätte sich der Autor der Seite wirklich sparen können.

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11 Kommentare zu “Und wieder ABA – Eine Replik

  1. *unterschreib*

    noch etwas zu den Entwicklungsschritten!!

    Wenn man bei Autismus von einer Entwicklungsverzögerung ausgeht…………………. und so wird Autismus ja beschrieben ………………..

    dann ist davon auszugehen, dass viele Entwicklungsschritte einfach viel länger brauchen.

    Ich kann und konnte an meinen Kindern immer massive Sprünge erkennen. Allerdings erst wesentlich später, als es bei der Peer-Group der Fall war!
    (Nur das laufen ging wesentlich schneller, warum auch immer)

    Wir sind in einigen Dingen 2 – 3 Jahre hinterher. Im sozialen Bereich sogar bis zu 8 Jahre.

    Dies erkennt man selbst als Mutter meist erst im Nachhinein! 💡 Denn während des ausbildens des Schubes wirken die Kinder, als ob sie Rückschritte machen würden. Vor allem auf bereits sicher erlernten Feldern!

    Hier ist die Nachbetrachtung sehr wichtig und sinnvoll!

    So habe ich jetzt gesehen, dass ein jetzt 11 jähriger nicht sprechender Autist, JETZT mit der Sprache beginnt und dies in der LaLa – BaBa Sprache. Im Kopf wird er weiter sein, aber die Wortfindung in aktiver Sprache muss sich erst bilden.

    Wenn der Autismus nicht ganz so stark ausgeprägt ist, wie beispielsweise bei kognitiv sehr fitten Asperger Autisten, dann kommen diese Schritte evtl. früher; aber dennoch sehr verzögert!!

  2. Ich weiß nicht so recht. Ich habe schon hin und wieder über manche Strategien bei ABA nachgedacht.

    Wenn man den Menschen als zu dressierendes Tier sieht, ist eine solche Dressur natürlich möglich. Das machen Behavoristen in ihren theoretischen Annahmen so.

    Nimmt man den Menschen als Menschen wahr, kann man das nicht mehr so sehen. Dem Behavorismus wird auch oft Empathiemangel vorgeworfen. Sind es ja nicht zuletzt diese Leute, die auch beim militärischen Drill und den modernen Foltertechniken die fachlichen Grundlagen lieferten um diese zu entwerfen, zu präzisieren und zu verbessern.

    Man sollte also nicht alles was aus der Psychologie kommt als „Gut“ betrachten, denn Psychologie ist und bleibt ein Werkzeug das man gut oder schlecht einsetzen kann.

    Wenn wir aber sehen das der Mensch eine Summe aus Tier und seinen menschlichen Eigenschaften ist, kann man sagen, das es manchmal aus medzinischer Sicht besser ist, auch die Qualen des Kindes (wie bei einer schmerzhaften Operation) zu akzeptieren, um hinterher einen größeren Nutzen zu erreichen.

    Das Problem ist ja eigentlich nicht unbedingt die Methodik alleine, sondern die fehlende Empathie gegenüber dem Kind / Patienten.

    Dann, wenn Eltern oder Erzieher und Therapeuten das Kind mehr beherrschen wollen, die Handlungen planbar machen, die individuellen Eigenschaften und Fähigkeiten des Kindes ignorieren oder sogar als Schädlich betrachten. Wenn den Kindern Bösartigkeit unterstellt bzw. in das Verhalten der Autisten hineinprojiziert wird. Es will nicht sagen, das Betroffene nicht böse handeln könnten, unverschämt sein etc. Ganz im Gegenteil ist durch den Mangel an sozialen Fähigkeiten es geradezu offensichtlich das sie Rücksichtslos sein können, aber in einer unschuldig affektiven Art, wie das auch Babies sind, die einfach nur ihren eigenen Wahrnehmungshorizont kennen.

    Hier bei der Empathie, beim Projizieren, beim Mißbrauch der Macht gegenüber den Schutzbefohlenen wird das Problem deutlich. Nicht unbedingt in jeder Hinsicht muss ABA als Werkzeug versagen, wenn Eltern die richtigen Motive, die richtige von Liebe getriebene Haltung haben, es kann eben auch bedeuten, das man den angeborenen infantil-animalischen Charakter für soziales Beziehungsgeschehen stutzen möchte und oder muss.

    Ist das schon eine Befehlshierarchie?

    Ehrlich gesagt finde ich da keine richtig schmeckende Erklärung zu.

    In den Händen wohlwollender Eltern wird auch das härteste Erziehungsprogramm nicht mißbräuchlich angewendet sein.

    In den Händen von nicht einfühlsamen Eltern wird auch schon die weichste Erziehungsmethode zur Gewalt mutieren. Sanfter Liebesentzug beispielsweise. Das reicht schon um ein Kind in den Wahnsinn und emotionale Enge zu drängen, dafür brauchts keine Entwicklungsstörung und keine offensichtliche Brutalität.
    Das heißt im Umkehrschluss aber auch, das hartes Vorgehen wie Brutalität wirken kann, besonders gegenüber Kindern.

    Es ist sehr schwierig zu beurteilen, was die einzelnen Eltern wirklich antreibt. Am Ende ist es eigentlich selbst bei schwierigen Eltern so, das sie mehr durch eigene Fehler und Hilflosigkeit getrieben sind, als dadurch, das sie ihren Kindern schaden wollen.

    Leider ist das auch ein Problem jeglicher schwarzer Pädagogik, die das alleinige Versagen beim Kinde sucht, aber nie die Eltern in die Pflicht nimmt sich zu hinterfragen. Gerade das will ja auch die schwarze Pädagogik vermeiden – Reflektion.

    Reflektieren Eltern aber die harten Bedingungen für die schwierigen Autismus-Zöglinge, kann es auch sein, das ABA als Alternative akzeptiert wurde – oder in weniger radikalen Auslegungen praktiziert wird.

    Das Problem zwischen Eltern und Kindern ist immer noch das totale Abhängigkeits-Verhältniss. Das gefällt natürlich niemandem und Asperger-Autisten sowieso nicht. Mir nämlich auch ganz und gar nicht. Deshalb verweigern wir uns gerne vielen Maßnahmen, wir können sie nicht ertragen, weil sie uns massiv beschneiden in unserer gefühlten Freiheit. Aber ist es wirklich Freiheit in einer auf sozialen Fundamenten beruhenden Welt sozial Behindert zu sein?

    Und Nein! Ich bin kein Freund von dem meiner Meinung nach unverschämten Spruch: „Behindert ist man nicht, man wird behindert.“ Das stimmt einfach nicht. Niemand ist Schuld das er im Rollstuhl sitzt. Aber man kann sich trotzdem schuldig machen, indem man meint, die Welt schulde einem das Gehen. Denn das ist nicht wahr. Weder ist die Welt Schuld, noch man Selbst. Wer aber Anderen die Schuld gibt für sein Handicap, handelt unverschämt und genauso asozial, wie diejenigen, die keine Rücksicht nehmen wollen.
    Lange Einführung zu diesem einen Gedanken: Auch sozial Behinderte können sich Schuldig machen wenn sie soziale Verantwortung einfach so negieren und ablehnen. Jeder muss freundlich, höflich und sollte in gewissen Bahnen bescheiden bleiben. Das ist wichtig wenn man als Bittsteller auf andere Angewiesen ist.

    Dieses Konstrukt lernt man aber nicht unbedingt automatisch, auch nicht als NT, noch weniger aber als Autist. Autisten sind oft Blind für Ihre eigenen Bedürfnisse, schaden sich und anderen ohne es zu wollen. In gewisser Art sind das auch NTs sehr oft.
    Wenn ABA dann an dieser Stelle helfen könnte, die Bedürfnisse Anderer auch für Autisten zu offenbaren und damit auch die eigenen Bedürfnisse den Autisten artikulierbarer werden, dann sollte man diese Form der Betreuung nicht unbedingt direkt für Falsch einstufen.
    Andererseits darf keine Behandlungsmethode die Bedürfnisse der Menschen ignorieren, denn darum geht es ja gerade wie ich schon sagte: Autisten ein bischen dazu bringen, die eigenen und die Bedürfnisse der Anderen etwas mehr wahr zu nehmen.

    Wenn eine Methode die Bedürfnisse des Individuums dennoch durchgängig und grundsätzlich ignoriert, dann muss man sie ablehnen. Genauso wie Festhaltetherapie und gezielte Gewalt. Denn dann dient eine solche Methode nur noch der totalen Auslieferung des Patienten in die Hände der Therapeuten und Eltern als Objekt, an dem die eigene Macht ausgelebt und ausgeübt wird.

    Das ist der Unterschied: Die einen lieben ihre Kinder und sind bereit auch harte schemerzhafte Methodik um das gemeinsame Ziel lebensfrohe Lebenszeit zu teilen, zu erreichen.
    Andere wollen nur ihre Macht über das schwierige Objekt Kind / Patient ausüben, damit dieses keinen eigenen Willen mehr präsentiert und damit wird es noch viel mehr von sich selbst abgeschnitten als Autisten oft schon sind. Zu der wohl angeborenen oder sehr früh durch Autismus entstandenen Selbstentfremdung kommt noch eine psycho-soziale Selbstentfremdung oben drauf.
    So seelisch mißhandelt sind schon viele Menschen für andere Menschen gefährlich geworden. Aber nicht weil sie Autisten waren oder auf andere Art und Weise krank, sondern weil sie selbst gequälte und traumatisierte Persönlichkeiten waren.

    Die Macht verlangt anpassung und Unterwerfung.

    Freundschaftliche Liebe versucht die Fähigkeiten zur Teilhabe zu optimieren und in der empathischen Zweisamkeit dasselbe Ziel des Glücks zu teilen.

    MFG

    • Danke für diese sehr differenzierten Gedanken.

      Meine Frage dazu………..

      wie sollte Therapie denn gemäß dieser Gedanken aussehen, damit den Kindern UND den Eltern geholfen werden kann??

      Denn gerade bei autistischen Kindern sind beide Seiten oft stark belastet.

      Und die Eltern geraten ab Beginn der Schulzeit massiv unter Druck von Außen (was gerne übersehen wird 🙄 ) und haben für ein „Funktionieren“ zu sorgen! 💡 /(

      Da meine Kinder bereits alle sich im Schulsystem befinden, erlaube ich mir einfach mal dieses Urteil. 5 Jahre Schule und Jugendamt (nach Diagnosestellung) hinterlassen Spuren, auch bei uns Eltern.

      @ Butterblumenland, ich hatte Dir eine Mail geschickt. 😉

      LG Anita

      • Tja, wie die Therapie aussehen sollte? Das kann ich beim besten Willen nicht sagen, weil die Lebenssituation und die Einzelfallbetrachtung ja immer andere Rahmenbedingungen mit sich bringt. Das kann ich wirklich nicht formulieren.

        Ausser „allgemein-Plätzchen“ kann ich nicht viel bieten.

        Das wichtigste dürfte sein, das Eltern mit solchen Kindern „immer“ die Ruhe bewahren. Sich planvoll verhalten, es bleibt keine andere Wahl als in der Liebe zum Kind und zum Leben die Lage anzunhemen wie sie ist und zu ertragen, oder wenn das im Einzelfall nicht mehr geht Hilfen in Anspruch zu nehmen, notfalls auch Betreute Einrichtungen. Es könnte vor allem Hilfreich sein, diese schon von Anfang an zeitweise in Anspruch zu nehmen. Zeit für sich einplanen können. Eben nicht irre machen lassen. Die Bedürfnisse des Kindes sind wichtig, sehr wichtig. Aber sie sollten nicht alles sein im Leben. Genauso wichtig wie ein Termin für das Kind muss der Termin einmal die Woche für den freien Abend sein, der Urlaub ohne Kind sollte als wichtiger Freiraum auch genossen werden können. Die Planungen sollten nicht nur das Leben des Kindes in den Mittelpunkt rücken und die Bedürfnisse des Kindes berücksichtigen, sondern auch die eigenen. Denn nur wenn die Eltern sich nicht aufzehren durch ihren Dienst am Kind können sie langfristig die Leistung erbringen.

        Beim Schulsystem kann man wohl nicht viel machen. Es dürfte an das (Asterix und Obelix) „Haus das Verrückte macht“ erinnern. Der Stumpfsinn bei Institutionen, kann schon hart sein. Ich habe das über mehrere Kinder verfolgen können aus Bekantenkreisen. Da waren keine Autisten bei, aber m.E. ein ADS Mädchen, das aber nicht diagnostiziert wird / wurde. Die Mutter sieht das nicht und begreift das nicht.
        Was da immer schon zusammenkam ist nicht feierlich. Was aber eine einfache Mutter ohne Hauptschulabschluss lernte, war, sich durchsetzen. Sich nichts von Lehrern sagen lassen. Notfalls klagen, Briefe schreiben, an die Vorgesetzen wenden und diese Nerven.

        Das entscheidende ob man das schafft den hohen Anspruch an die Erziehung bei autistischen Kindern dürfte dann sein, ob Eltern sich zu Getriebenen dieser Aufgabe machen lassen. Denn wenn das passiert, wenn die Eltern nicht mehr der Hort der Ruhe und Gelassenheit sind, dann findet auch das autistische Kind weniger Ruhe und Gelassenheit afaik.

        Sich nicht treiben lassen, sondern andere Antreiben, auch das autistische Kind. Nicht im Sinne von Rücksichtslosigkeiten, aber immer Akteur bleiben, planvoll, systematisch. Nicht hektisch von Aufruf zu Aufruf, von Termin zu Termin, sondern jeden Termin absehen, Zeiten für unvorhergesehenes einplanen, Räume frei lassen. Nicht hetzen lassen, lieber andere hetzen.

        Es geht immer irgendwie weiter, Grund für Verunsicherungen oder Angst gibts nicht.
        Wenns nicht mehr weitergeht, wird man das merken, wenn man tot umfällt. Alles Andere ist nur die Überflüssige Angst vor dem Scheitern und macht das Scheitern erst warscheinlicher.

        Ausser dem Tod sollte es nichts geben das einen aus der Ruhe bringt ;o)

        Viel Erfolg Ihnen

        • Ich würde noch hinzufügen, das man sich auch nicht vom Kind bekloppt machen lassen muss. Das Kind ist schnell verunsichert, weinerlich, immer wieder kurz vor dem Exodus. Na und? Tut weh zu sehen, aber in Wirklichkeit kann man das nicht immer verhindern. Es ist auch nicht die Schuld der Eltern. Es ist der Autismus, die Störung, dafür kann keiner etwas und dafür dürfen sich Eltern auch kein schlechtes Gewissen machen.

          Das Kind hat immer Bedürfnisse, die müssen gesehen und wahr genommen werden. Aber es geht auch die Welt nicht unter wenn das Kind mal nicht total ausgeglichen ist. Manchmal ist das eben der Lauf der Krankheit, das auch mal stehen lassen zu können, ist wichtig.

          Ich würde es vergleichen mit Eltern, die ihr erstes Baby haben. Wenn das Kind dann anfängt zu schreien, irgendwie Grundlos. Einfach rumschreit, weil es gerade unausgeglichen ist und noch nicht anders kommunizieren kann. Die frischen Erstfall-Eltern schwirren dann oft herum, fragen sich wieso warum, was sie falsch gemacht hätten.
          Tatsache ist meistens haben sie nix falsch gemacht. In solchen Phasen sollte man dem Kind Nähe und Nestwärme bieten, aber die Verunsicherung braucht es einfach nicht.
          Das merken die Eltern dann beim zweiten, oder gar dritten / vierten Kind. Die frischen Eltern werden ruhiger, gelassener. Nicht jeder Zwischenfall ist eine Katastrophe.

          In diesem Sinne sollten Eltern auch nicht dem Alarmismus unterliegen und ein autistisches Kind verpäppeln. Das Kind wird auch selbst Freiräume für die Entwicklung eigener Lösungsstrategien brauchen und dafür wird es vielleicht eine Weile „mit dem Kopf vor die Wand laufen“ und Zusammenbrüche haben (müssen!).

          Wenn Eltern sich also ausreichend Abgrenzen, sich selbst genug wahrnehmen und die Beziehung in der Partnerschaft nicht vernachlässigen, werden sie auch am Ende mehr Energie und Kraft für das Kind haben können und es begleiten auf dem einzigartigen Weg ins Wachstum – einer schweren Entwicklungsstörung zum Trotz!

          MFG

          • Das sind gute Gedanken!!

            Aber leider bietet die Realität MIT Kindern hier enorme Fallstricke.

            Und ich entnehme Deinem Post, dass Du keine Kinder hast.

            Es ist ein hehres Ziel, nicht zum Getriebenen zu werden.

            Aber Ämter und Schulen haben mich etwas anderes gelernt. Klar bin ich über die Zeit und die Diagnosen der anderen Kinder ruhiger geworden. Es kommt Routine rein, sich mit den Ämtern auseinander zu setzen. Aber bei jedem „ERST“-Fall mit neuen Gesetzen und Verordnungen, Änderungen der Gegebenheiten durch Schulen usw. usf. muss man sich neu sortieren.

            DAS macht oft Stress. Ob man will oder nicht.

            Es ist zu vergleichen mit einem akuten Notfall, dass man akut ins KH muss, auf der Intensiv-Station landet und nicht weiß, ob man die nächsten Minuten überlebt! 💡

            Und das ist mein vollster Ernst. Schließlich lebe ich diesen Alltag nun schon seit vielen Jahren!

            Aus der Ferne und entsprechende Erfahrungen lässt sich „leicht“ ein Fahrplan entwickeln, aber es ist anders, wenn man es selber lebt (leben muss).

            Ich kann wirklich nur hoffen, dass ich meinen Kindern wenigstens ein wenig Ruhe, Geborgenheit und Sicherheit geben kann.

          • Ja, das glaub ich Ihnen. Ich habe mich auch gerade deshalb an allgemeinen Rat gehalten.

            Das individuelle tatsächliche Geschehen des Alltags wird von Höhen und Tiefen begleitet bleiben. Das ist klar. Die Grundlinie sollte aber die sein, die ich schilderte, damit langfristig der Selbsterhalt nicht zu kurz kommt. Ich kann mir nämlich auch vorstellen, das irgendwann das Kind zu so einer Last wird, das Eltern nur noch befreit werden wollen – obwohl sie eigentlich das beste fürs Kind wollen! Aber wegen dauernder Überforderung läuft das auf einen Zusammenstoß hinaus, wenn Eltern sich selbst vergessen.

            Insofern ist die Richtlinie gut gemeint, aber die Umsetzung ist natürlich mit Höhen und Tiefen und vielen Problemen verbunden.

          • PS: Als selbst mehr oder weniger Betroffener ADS / Asperger bin ich zwar kein Eltern geworden, aber dennoch wie geschrieben nicht blind für die Vorgänge zwischen Eltern und Kindern und Menschen geblieben.

            Wenn auch der Theoretiker durch die Buchstaben suppt, ist die Intention und die inhatliche Beschreibung nicht von der Hand zu weisen ;o)

            Grüße

          • Danke. Für diese klugen Worte.

            Die Grundhaltung ist allerdings sehr wichtig.

            Es ist selten, dass jemand ohne Kinder auch die Belastungen sieht, die oft von Außen auf die Familien einwirken.

            Darauf wollte ich hinweisen. Denn es wird gerne „vergessen“ oder nicht gesehen. Weil halt die Erfahrung und / oder der Kontakt fehlt!

          • ja, ich habs mit den Zu-Gaben heute 😀

            Vielleicht ist es auch wichtig die Entwicklung des Kindes festzuhalten. Sich mit den Fortschritten und dem Erreichten auch auf die Schulter zu klopfen. Sich das als Eigenlob zu gönnen – Andere werden es ja eher nicht tun. Die kritteln immer nur an Ihnen herum, haben aber keine Ahnung :o)

            Fortschritte sind auch Ihre Leistungen und Erfolge! Genießen wenn die Kinder mehr erreicht haben als die Psycho-Doktores an Möglichem unterstellen!
            Das ist schon viel Genugtuung und die muss man auch auf sich wirken lassen.

            Das gilt ja für Betroffene aber eben auch für Eltern, die mit dem Kind fühlen und erleben.

            Insofern, man könnte sinnvollen Rat Seitenweise zusammentragen, aber am Ende ist tatsächlich jeder in der Situation erstmal hart gefordert, da haben Sie Recht.

            MFG

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