MMS – Erlebnisse auf und vor dem Spirit of Quack

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Am Wochenende war es so weit. In Kassel lief die MMS-Werbeveranstaltung mit dem klangvollen Namen Spirit of Health. Obwohl es bereits Monate im Voraus der Veranstaltung Proteste und Medienberichte darüber gab, hat die Stadt Kassel als Vermieterin des Kongress-Palais sich (angeblich aus Angst vor Schadenersatzforderungen) nicht getraut, die Buchung zu stornieren. Ganz im Gegensatz zu den Best Western Hotels, denen ihr guter Ruf wichtiger war als entgangene Einnahmen.

Bereits im Vorfeld wurde vom deutschen Konsumentenbund eine Gegenveranstaltung unter dem Motto „Bündnis gegen Pseudomedizin und Quacksalberei zum Schaden von Kindern“ angekündigt, die von Freitag bis Sonntag parallel zum Spirit of Health-Kongress lief. Dazu gehörte das Bereitstellen von Informationen an einem eigenen Informationsstand. Auch waren an allen Tagen Demonstrationen angemeldet. Leider haben weniger Menschen als erhofft daran teilgenommen. Aber die ständige Präsenz der Gegner von MMS und Co. hat anscheinend zumindest ausgereicht, um immer wieder ein Thema auch innerhalb des Kongresspalais zu sein.

Einer der führenden Verfechter von MMS-Einläufen an autistischen Kindern, fühlte sich jedenfalls dazu angeregt, in seinem Vortrag gleich mehrfach über die Kritiker zu lästern und sie herabzuwürdigen, was vom Publikum auch frenetisch bejubelt wurde. Immerhin kann der Herr bereits ganz deutlich die grüne Schrift der Matrixbox (ja genau, er meinte die „Matrix“-Filme) lesen und das Publikum im Saal sei ja mit ihm gemeinsam dabei, diese Matrix zu durchbrechen. Vor lauter Enthusiasmus fiel dann wohl auch niemandem im Publikum auf, dass bei den Erklärungen der angeblichen Wirkungsweise von MMS inhaltlich innerhalb weniger Sätze gleich mehrere Widersprüche zu finden waren. Aber Feinheiten waren ohnehin nicht so wirklich gefragt. Vielmehr wurde auf die ganz großen Emotionen abgezielt und dafür auch schwere Geschütze aufgefahren. So kamen nach und nach Menschen auf die Bühne, um sich hochemotional für angebliche Heilungserfolge zu bedanken. Eine angebliche Mutter eines autistischen Kindes war auch darunter. Ihr Sohn wäre dadurch endlich wieder „in die Welt zurückgeholt“ worden. Autismus wurde ohnehin mal wieder als ultimatives Schreckgespenst stilisiert. Autistische Kinder könnten selbstverständlich nicht mehr als mit ihren Exkrementen schmieren, hauen den lieben langen Tag ihre Köpfe an Wände und schreien ohnehin 16 Stunden am Tag. Und schuld seien wahlweise Parasiten, Quecksilberbelastungen, Nahrungsmittel, Nährstoffmangel oder Impfungen…oder alles auf einmal. Wen interessiert schon Wissenschaft. Wissenschaftler sind ja die doofen Leute mit dem Stand draußen vor der Tür die „gutes“ Chlordioxid, das zum Bleichen von Mehl verwendet wird (in Wahrheit wurde genau das bereits 1957 verboten), nicht von Chlorbleiche (Trivialname von Chlordioxid) unterscheiden könnten. Ähm ja.
Jedenfalls zog die Bühnenshow mit den dankbaren Menschen so gut, dass es Standing Ovations gab. Ein Teilnehmer der Gegenveranstaltung, der sich den Vortrag ebenfalls angehört hatte, brachte meinen Eindruck ziemlich genau auf den Punkt: „Gehirnwäsche“.

Besonders auffallend war für mich aber der Umgang mit uns Kritikern. Wir wurden ständig extrem auffällig fotografiert, immer wieder. Nicht nur der Infostand an sich sondern auch die einzelnen Personen. Ich kam mir schon vor wie ein Promi. Das schien mir ein gezielter Einschüchterungsversuch zu sein. Genau wie das Mitglied des Orga-Teams des Kongresses, das zum Stand kam und aggressiv damit drohte, die Polizei zu holen. Aus welchem Grund auch immer. Immerhin waren sowohl der Stand als auch die Demos ordnungsgemäß angemeldet. Ohnehin werden MMS-Kritiker immer wieder auf sehr einschüchternde Art und Weise attackiert. Es werden Namen und Daten veröffentlicht, zu Shitstorms auf Internetseiten und Blogs aufgerufen oder einfach unwahre Dinge behauptet.

Der Gesamteindruck hat mich jedenfalls darin bestätigt, meinen Kampf gegen MMS fortzusetzen und weiterhin Stellung dagegen zu beziehen. Gerade autistische Kinder müssen unbedingt vor diesem lebensgefährlichen Wahnsinn geschützt werden. Helft mir und erhebt ebenfalls eure Stimmen.

Ein weiterer Erlebnisbericht von der Gegenveranstaltung:

http://tageshauscaos.auticare.de/2015/04/spirit-auf-bullshit-in-kassel/

Und auch atari-frosch hat in ihrem Blog über die Tage in Kassel geschrieben:

http://blog.atari-frosch.de/2015/04/28/nospiritofhealth-kassel-2015-tag-0/

Ein Wort noch für die MMS-Anhänger: Ihr braucht gar nicht erst versuchen, hier einen Shitstorm loszutreten. Die Kommentare auf diesem Blog werden moderiert. Ihr habt eure eigenen Plattformen für eure Werbung. Ach ja: Es ist mir übrigens völlig egal, wenn Erwachsene MMS einnehmen wollen, sich damit Einläufe machen oder darin baden. Mir geht es um den Schutz von Kindern, die das Recht haben, so akzeptiert zu werden wie sie sind.

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14 Kommentare zu “MMS – Erlebnisse auf und vor dem Spirit of Quack

  1. Genau wie das Mitglied des Orga-Teams des Kongresses, das zum Stand kam und aggressiv damit drohte, die Polizei zu holen.

    Ich stand daneben und habe die Szene direkt mitbekommen. Sie wollte die Polizei rufen und uns anzeigen, weil wir „so unverschämt“ waren, den WC-Reiniger da hinzustellen. Sie behauptete, wir würden Leute erst dazu animieren, WC-Reiniger statt des „guten MMS“ zu verwenden.

    Daß sie nicht die Polizei holen würde, war schon klar gewesen. Sie zog schließlich mit der, ähm, „Drohung“ ab, ihr Anwalt werde das genauestens überprüfen.

  2. ihr meint ja die, die immer wieder versucht hat ihre schäfchen dazu zu überreden doch bitte wieder in den saal zu gehen ? die fand ich ja niedlich, sah irgendwie eher aus als wollte sie schauen was an dem stand ihre schäfchen so machen und kontrolieren. Aber das war nur meine aussensicht auf diese Situation

  3. Pingback: Spirit auf bullshit in kassel | Tageshauschaos

  4. hallo,

    Bitte, bitte steinige man mich jetzt nicht!

    Ich bin Autistin und, trotz dass ich aufgrund meiner späten Diagnose viel erleiden musste, blieb mir die einnahme von MMS, durch meine Eltern induziert, verwirrt. Gott sei dank.

    Bislang ging ich davon aus, und gehe ist immer noch, bis man mir eine triftige Erklärung zum gegenteil präsentiert, das MMS großer schrott ist. Schrott und grund zu sehr viel leid.

    Dennoch, gemäss dem Motto kenne deinen Feind, würde ich sehr gerne über die dosierung und die Praktiken bei der einnahme von MMS recherchieren. Ich finde, über die gängigen Suchmaschinen, jedoch leider nur mehrstündige videos, in denen belangloses ewig lang vor geplappert wird, Berichterstattungen von lokalen Sender am, Berichterstattungen von Autisten selbst, in denen sie schreiben, wie sie zu MMS stehen, jedoch keine klare aussage, was genau MMS im Körper positives bewirken soll. Oder generell bewirken soll.

    Meiner kenntnis nach desinfiziert das Endprodukt von MMS, wenn man es sehr hoch dosiert, jedoch geringer dosiert, da hört meine Kenntnis schon wieder auf. Dass es nicht gegen Autismus und andere angeborenen Besonderheiten nutzen kann, ist absolut klar.

    Daher, falls vorhanden, würde ich mich einmal über eine sinnvoll argumentierte, logische, nicht einlullen de, weil von den Befürwortern krampfhaft indoktrinieren formulierte, Informationen freuen. Wie gesagt, ausschließlich für die recherche gemäss dem Motto kenne deinen Feind.

    Ich hoffe zutiefst, man versteht mich richtig und keinesfalls als Befürworter von MMS, ich bin der Ansicht, dass sogar ohne ätzende Wirkung eines stoffes ein einlauf oder orale Vergabe eine misshandlung ist.

    Lg, Batschpeng

    • pardon, da ich die spracheingabe nutze, da mehr tippen zu anstrengend ist, sind einige worte nicht ganz korrekt aufgefasst worden und die satzstellung ist teilweise etwas dilettantisch. Falls du und Verhalten auftreten, bitte einfach nachfragen.

      Verwirrt ganz oben sollte zum Beispiel verwehrt lauten.

    • Hallo Batschpeng, die MMS-Jünger drücken sich teilweise vor genaueren Angaben zur Dosierung. Im Prinzip werden die Kunden angewiesen, herumzuprobieren. Kalcker erklärte in seinem Vortrag beispielsweise, er sei ja kein Arzt, daher dürfe er keine Dosierungsanweisungen geben. (Daß er kein Arzt sei, sagt er aber erst, seit man ihm den Doktortitel weggenommen hat ;-))

      In einschlägigen (vermutlich eher nicht öffentlichen) Foren und wohl auch bei Kerri Rivera scheint es konkrete Anleitungen zu geben. Also wenn Du Dir das antun willst, könntest Du dort suchen.

      Gruß, Frosch

  5. Wie ich Kalcker verstanden habe, soll Chlordioxid automatisch die Krankheitsherde im Körper erkennen, da dort ein saures Milieu hersche, worauf hin das CLO2 seinen Sauerstoff abgeben und dieser seine Wirkung, „Giftstoffe“ zu verbrennen, ausübe. Da Autismus aber gar kein biochemisches Phänomen ist, kann MMS gar nicht wirken, selbst wenn der behauptete Wirkmechanismus stimmen würde, was aber ebenfalls nicht der Fall ist.

    • In seinem Vortrag hat er mehrere Wirkweisen genannt. Einmal das mit dem Milieu. Was passiert in diesem Szenario eigentlich mit dem Magen? Wird der auch „neutralisiert“? Dann erwähnte er aber auch, dass der Sauerstoff angeblich nur anaerobe (und dadurch krankmachende) Viren und Bakterien vernichten würde. Er führte das Oxidationspotenzial an (anhand dessen Humble sich ja eine absurde Erklärung gebastelt hat) und zu guter Letzt musste auch noch die Ausleitung von Schwermetallen über die Leber irgendwie untergebracht werden.

    • Das klingt so, als hätten unsere Freunde da die gleiche Argumentation angesetzt wie bei der „Schwarzen Salbe“. Die soll ja angeblich auch gute von bösen Zellen unterscheiden können.

  6. Pingback: Froschs Blog: » #nospiritofhealth Kassel 2015 – Tag 2

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