Warum ich Autism Speaks boykottiere – Why I #BoycottAutismSpeaks

Vor ein paar Tagen stolperte ich über einen Aufruf zu einer Flashblogaktion mit dem Thema und für mich war schnell klar, dass ich die Gelegenheit nutzen möchte, meine Meinung zu „Autism Speaks“ niederzuschreiben.

„Autism Speaks“ ist eine Organisation, die 2005 von Bob und Suzanne Wright gegründet wurde, nachdem bei einem ihrer Enkel Autismus diagnostiziert wurde. Durch seine guten Kontakte als Direktor von NBC schaffte es Bob Wright recht schnell, in den Medien präsent zu sein und so wurde „Autism Speaks“ quasi über Nacht bekannt und zur größten Organisation zum Thema Autismus in den USA. Durch prominente Unterstützung, Wohltätigkeitsveranstaltung und Spendensammlungen kommen pro Jahr über 100 Millionen US-Dollar an Einnahmen zusammen. Diese Gelder werden aber nicht etwa investiert, um Autisten und ihren Familien direkt zu helfen (dafür wurden 2013 sagenhafte 4% der Finanzmittel ausgegeben) sondern das Geld fließt zum größten Teil in Werbung und Medienkosten (über 40%) und in die Forschung. Jetzt könnte man ja Forschung zum Thema Autismus prinzipiell begrüßen und das tue ich auch. Und trotzdem lehne ich die Forschung von „Autism Speaks“ ab. Deren Ziel ist es nämlich nicht, mehr über Autismus herauszufinden und Ansätze zu entwickeln, Autisten das Leben zu erleichtern sondern deren Ziel ist:

Zitat „[…] ultimately eradicate autism for the sake of future generations.  If we continue our current trajectory, we’ll get there in my lifetime.“ (Suzanne Wright in einem Gastbeitrag der Zeitschrift „Parade“ 2008).

Übersetzung: „Autismus letztendlich zum Wohl zukünftiger Generationen auszurotten. Wenn wir auf dem derzeitigen Kurs weitermachen, werden wir es noch zu meinen Lebzeiten erreichen.“

Es sollte eigentlich jedem klar sein, was so eine Aussage wirklich bedeutet. Wenn man Autismus „ausrotten“ sagt, dann meint man damit Autisten „ausrotten“. Und folgerichtig beschäftigt sich die Forschung von „Autism Speaks“ mit der Erfassung von Genomen mit dem Ziel, einen pränatalen Test auf Autismus zu entwickeln. Was dies dann bedeuten wird kann man auch heutzutage schon sehr gut erkennen. Dank der vorgeburtlichen Tests auf das Down-Syndrom werden heutzutage über 90% der Kinder mit dem Down-Syndrom abgetrieben. Wer wirklich glaubt, dass es bei Autismus anders wäre ist meiner Meinung nach hoffnungslos naiv. Noch dazu weil „Autism Speaks“ wirklich alle Register zieht, um Autismus als etwas Schreckliches, Bedrohliches, Grauenvolles, Dunkles und Lebenzerstörendes darzustellen. Im letzten Jahr haben sie einen aufwändig produzierten Videospot herausgebracht, mit dem sich Quergedachtes schon ausführlich beschäftigt hat (unbedingter Lesetipp!)
https://quergedachtes.wordpress.com/2014/06/12/autismus-ein-kammerspiel/

Dass in dieser Organisation, die sogar im Namen trägt, dem Autismus eine Stimme zu geben, keine Autisten selbst zu Wort kommen dürfen und Gegenstimmen aus der autistischen Community ignoriert werden, ist da dann auch nur noch logisch. Nein, sie geben nicht dem Autismus eine Stimme, sie sprechen nicht für Autisten, sie sprechen nicht für viele Familien, sie sprechen nicht für mich. Sie sollten dringend lernen zuzuhören.

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5 Kommentare zu “Warum ich Autism Speaks boykottiere – Why I #BoycottAutismSpeaks

  1. Pingback: Warum ich Autism Speaks boykottiere – Why I #BoycottAutismSpeaks | Crusading Against Hate: Why I #BoycottAutismspeaks

  2. Die Menschen behaupten immer von den Verbrechen, die während der Zeit der Nazis
    begangen worden sind gelernt zu haben, toleranter zu sein als früher.
    Leider ist das gelogen.
    Statt wirklich toleranter und respektvoller zu sein, versuchen sie ihren Hass einfach in eine nach außenhin blumige Verpackung zu zwängen, in der Hoffnung, dass es niemand mitkriegt
    wenn sie wieder in die alten Muster verfallen.
    Das einzige was die Menschen gelernt haben sind „diskretere“ möglichkeiten unliebsame
    Personengruppen loszuwerden, aber von oft versprochenen Akzeptanz ist da nichts zu sehen.
    Außerdem kann mir niemand erzählen dass der Vergleich mit den Vebrechen von damals
    unpassend wäre, den im Prinzip läuft wieder der gleiche Mist wie früher ab, der einzige
    Unterschied ist bloß die Methode mit der man Minderheiten auslöschen will.
    Offensichtlich ist eugenisch geprägter Genozid das neue Hobby der Merheit, die alles
    immer schön einheitlich und ohne „Makel“ Haben will.
    (Wie heißt es doch gleich:“Man lern aus der Geschichte, dass man aus der Geschichte nichts lernt.“)
    Autism Speaks müsste sich eigentlich wegen Genozids vor einem Gericht stehen, denn
    im Völkerrecht steht unter der Definition des Tatbestandes des Genozids:“Die selektive
    Geburtenverhinderung von genetischen Minderheiten.“
    Aha, es wird demnach also eine Straftat begangen, die aber keine straftrechtliche verfolgung
    nachsich zieht sondern auch noch munter mitfinanziert wird.
    Interessiert offensichtlich keinen, was mit einem Gemacht wird, wenn man zu einer Minderheit
    gehört, (fragt sich wer hier eigentlich wirklich die Empathieprobleme hat).

  3. Pingback: Anmerkungen zu “Mein Sohn leidet an der Form von Autismus, über die niemand spricht” | butterblumenland

  4. Pingback: Weltautismustag 2016 – Ein Wunschzettel – butterblumenland

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