Stimming? Selbstverletzung? Zwang?

Ich bin ziemlich ratlos und hoffe auf eure Meinungen und Kommentare.

Die Vorgeschichte ist etwas länger. Ich hole vorsichtshalber mal weiter aus. Als Paul noch klein war trommelte er gerne auf einem Leder-Fußhocker. Das fing an als er sich alleine durch den Raum bewegen konnte und endete als wir den Hocker beim Umzug entsorgt haben, weil er völlig kaputt war. Schon damals fand ich dieses Trommeln ungewöhnlich, habe es ihm aber gelassen, weil es ihm offensichtlich gut tat. An Autismus dachte da noch niemand, die Diagnose lag noch ein paar Jahre in der Zukunft. Der Hocker war nun also nach dem Umzug weg. Paul kreiselte mit einem Ball (und auch mit anderen Gegenständen, aber hauptsächlich mit diesem Ball). Immer öfter und immer länger. Irgendwann kreiselte er nicht mehr nur sondern trommelte auch leicht darauf. Ich ließ ihn. Doch die Intensität steigerte sich weiter und weiter. Zu der Zeit ging er noch nicht in den Kindergarten. Es kam so weit, dass er quasi in seiner gesamten Wachzeit nichts anderes mehr machte als diesen Ball zu kreiseln und darauf zu trommeln. Er war für uns dabei auch überhaupt nicht ansprechbar oder erreichbar. Und ich habe wirklich viel versucht, mit ihm in Kontakt zu kommen. Legte man den Ball zur Seite schrie er und schlug um sich. Sprechen konnte er da noch nicht. Ich gab irgendwann auf ihn erreichen zu wollen. Nach ein paar Monaten ertrug ich allerdings dieses Geräusch nicht mehr ständig direkt neben mir. Und so habe den Ball in Pauls Zimmer verbannt. Er durfte nur noch dort damit „spielen“. Das hat er (heute muss ich sagen erstaunlicherweise) auch binnen 2 Tagen so akzeptiert. Und es öffnete sich so auch ein Kommunikationsfenster zu Paul. Er war dann in der Zeit ohne Ball für uns ansprechbar. Ungefähr zu der Zeit begann er auch mit dem Sprechen und kurz danach bekamen wir die Autismus-Diagnose, die vieles von dem vorherigen Verhalten plötzlich erklärbar machte. Mit dem Eintritt in den Kindergarten verbrachte Paul wieder mehr Zeit mit dem Ball. Offensichtlich zum Abschalten und Entspannen. Er verarbeitete auf diese Weise seinen Tag. Der Ball ging kaputt, wir ersetzten ihn mehrfach. Es tat ihm ja offensichtlich gut und half ihm. Doch irgendwann kippte es. Paul war nur noch fixiert auf seinen Ball. Sofort beim Heimkommen ging er in sein Zimmer und kreiselte und trommelte. Bis zur Schlafenszeit. Nur noch unterbrochen durch kurze Pausen zum Essen und Anschauen seiner Lieblingsserie. Das Trommeln wurde lauter und lauter. Eines Tages schrie Paul plötzlich laut los. Ich stürmte zu ihm. Er blutete. Die Haut an einer seiner Fingerkuppen war aufgeplatzt und er hatte offensichtlich Schmerzen. Ich versorgte seine wunde und hoffte, dass sich diese Erfahrung auch auf das Trommeln auswirkt. Leider vergeblich. Irgendwann war ich mir sicher, dass aus dem Stimming ein handfester Zwang geworden war. Und überlegte fieberhaft, welche Alternativen zu diesem Ball wir Paul anbieten könnten. Wir probierten viel aus, nichts davon funktionierte. Ein paar Wochen später eskalierte die Situation drastisch. Es war ein Sonntagmorgen, ich erwachte mal wieder vom dumpfen Trommeln, ging in sein Zimmer und war geschockt. Der Ball war nicht mehr grau sondern rötlich-bräunlich. An beiden Händen waren mehrere Fingerkuppen aufgeplatzt. Das konnte ich nicht mehr ertragen. Ich nahm ihm den Ball weg und schloss ihn ein. Ein Akt der puren Verzweiflung und sicherlich eine Katastrophe für Paul. Aber wir wussten uns einfach nicht mehr anders zu helfen. Trotzdem tut mir das bis heute leid, Paul hat sich tagelang massiv durch den „Entzug“ gequält. Aber irgendwann war es überstanden. Der Ball war weg und es war okay für ihn. Wir atmeten auf. Ein paar Monate herrschte jetzt Ruhe. Dann fing es schleichend wieder an.

Anfangs ganz harmlos. Paul klopfte sich bei Anspannung und zur Beruhigung leicht auf die Oberschenkel. Ich habe mich sogar noch gefreut, weil ich dachte, dass er diese Art von Stimming auch problemlos beibehalten kann, ohne damit großartig in gesellschaftliche Probleme zu kommen. Er achtet ja sehr darauf, nach außen unauffällig zu sein. Doch schleichend steigerte sich auch diesmal wieder die Intensität. Erst wurde das Klopfen langsam stärker. Dann begann er, es zusätzlich mit dem Im-Kreis-Laufen zu kombinieren. Aus dem Laufen wurde Trampeln. Und aus dem Klopfen inzwischen laut hallende Schläge. Ich redete mit ihm, versuchte zu ergründen, warum sich das steigert. Er kann es nicht erklären, konnte es aber immer noch problemlos unterbrechen. Inzwischen geht auch das nicht mehr. Er igelt sich wieder ein, lässt sich kaum noch auf andere Aktivitäten hier zu Hause ein und wird sofort aggressiv, wenn man versucht ihn zu unterbrechen. Und jetzt stehe ich an einem Punkt, an dem ich nicht mehr weiter weiß. Es sieht insgesamt wieder sehr danach aus, als ob aus dem entspannenden Stimming ein Zwang geworden ist. Inzwischen leider auch schon mit deutlich sichtbaren körperlichen Spuren. Paul hat an beiden Oberschenkeln blaue Flecken und inzwischen sogar wieder eine blutige Stelle, an der die Haut aufgeplatzt ist. Nachts wacht er auf, weil ihm die Beine schmerzen. Ich bin ratlos. Was kann ich tun? Wie kann ich ihm helfen? Bin ich mit meiner Interpretation völlig auf dem sprichwörtlichen Holzweg? Fällt euch etwas dazu ein? Schreibt mir bitte.

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16 Kommentare zu “Stimming? Selbstverletzung? Zwang?

  1. Ich kenne Paul ja nicht, würde aber vermuten, dass es schon nicht mehr nur ein Stimming ist, sondern wirklich ein Zwang, der so ausartet, dass er sich durch dieses Zwanghafte Verhalten, das sihm aber dennoch auch eine gewisse Sicherheit zu geben scheint, selbst verletzt. Spontan würde ich vermuten, dass er sich Reize sucht, die es ihm ermöglichen sich besser zu spüren und er dann aber die Kontrolle darüber velert – vielleicht wäre es sinnvoll nicht „nur“ nach einer Alternative, sondern nach mehreren zu suchen, die ihm aber immer wieder angeboten werden, so dass der Hang zum Zwang reduziert wird. Wart ihr damit schon bei der KJP?

  2. Das ist bestimmt sehr schwer zu ertragen. Auch ich kenne Paul nicht und kann somit nur aus meiner Erfahrung mit meinem eigenen Sohn heraus etwas raten.
    Mein Sohn hatte in den ersten Jahren auch das Bedürfnis, sich durch Schmerzen selbst zu stimulieren. Dann wechselte es in ein sehr ausgeprägtes hin- und herlaufen. Immer wieder – du kannst Dir vorstellen, welche Dimensionen das angenommen hat. In der Frühförderstelle waren zwei Therapeutinnen, die unterschiedliche Methoden angewandt haben, wodurch es sich gebessert hat. Ganz ablegen kann man das wohl nicht. Besonders, wenn es einem so viel bringt. Die eine Therapeutin arbeitete daran, dass mein Sohn ’seine Mitte‘ finden konnte. Dafür brauchte er ’nur‘ schwere Dinge durch den Raum zu schieben. Die andere Therapeutin sah, dass mein Sohn eine Wulst auf dem Kopf hatte. Dort wo bei den Babys die Fontanellen sind, war bei meinem Sohn ein ‚Hügel‘. Den hat er heute noch. Jedenfalls hat die Therapeutin (unter dem Geschrei und der Abwehr meines Sohnes) die Lymphflüssigkeit in dem Bereich in Gang gebracht. Es entspannte sichtlich seinen ganzen Körper.
    Ich persönlich setze meinen Sohn bei allzu großer Anspannung gerne in seinen Hängestuhl oder wickele ihn eng in eine Decke ein. Nur so, wie er es als angenehm empfindet. Meist schafft er es dann, sich zu beruhigen.
    Hast Du schon einmal Tagebuch geführt, um zu erkennen, ob es mit bestimmten Situationen/Uhrzeiten o.ä. einen Zusammenhang gibt ?
    Ich erachte es immer als sehr wichtig, das Verhalten, und sei es noch so seltsam, als für ihn wichtig anzusehen. Er hat seinen Grund, warum er sich so verhält.

    • Danke. Ich möchte auch gar nicht, dass er Stimming ablegt. Wegen mir könnte er auch weiter im Kreis laufen und sich selbst „klapsen“, wenn dabei keine schmerzhaften Verletzungen mehr entstehen würden.
      Tagebuch führe ich seit einigen Monaten wieder, um nach eventuellen Auslösern zu suchen. Bisher ergibt sich da noch kein Muster, er macht es einfach immer, an guten Tagen, an schlechten Tagen, nach viel Stress, ganz ohne Stress,…

  3. Als erstes mal muss ich dir eine Umarmung schicken! Ich kann nur erahnen wie es dir gehen muss!

    Wenn ich das so als Außenstehende lese, kommt mir gleich der Gedanke, „wie dramatisch, da muss ein „Professioneller“ helfen. Dann denke ich aber an unsere Situation und daran, dass mir Außenstehende auch professionelle Hilfe raten würden. Und ich denke an meine Beweggründe, warum ich dies noch nicht getan habe (und die sind von A-Z Kindorientiert). Deshalb rate ich dir das nicht – ich denke, darüber hast du sicher auch schon nachgedacht! Deshalb schreibe ich dir, wie ich in ähnlichen Situationen damit umgehe.

    Ich kann mit meinem Sohn darüber gut reden – wenn ich es richtig verstanden habe, wäre Reden kein Grundsätzliches Problem?! Solche Gespräche kann ich besonders gut im Auto führen. Dort ist er relativ offen und nicht so abgelenkt von seinen Zwängen. Ich versuche auch erst herauszubekommen, was meinen Sohn zu dem Verhalten treibt. Manchmal kann er es mir sagen, oft aber auch nicht. Oft ist dann der erste Gesprächsteil beendet, da er danach nicht mehr aufnahmefähig ist, nicht mehr auf meine Fragen eingehen kann. An einem anderen guten Tag spreche ich mit ihm und erkläre ihm, warum wir was ändern müssen. Manchmal fällt ihm eine Lösung ein, manchmal mir! Für die nächste Situation vereinbaren wir ein Codewort. Das hat uns schon oft geholfen, weil das Codewort ihn in der Situation manchmal erreichen kann!

    Als Alternativhandlung fällt mir nicht viel ein! Aber wenn es wirklich der Wunsch ist, sich zu spühren, vielleicht hilft eine Gewichtsdecke oder eine Luftweste (weiß nicht, wie die richtig heißen).
    Und vielleicht hilft es auch, wenn Paul zusätzlich zu der Ersatzhandlung in die Musikschule geht (wenn er das ertragen kann) und dort dann das „Trommeln“ erlernt?!

    Ich weiß nicht, ob ich dir helfen konnte! Aber ich hoffe und wünsche dir von Herzen, dass du eine Lösung für euch findest.

    Liebe Grüße
    Sandra

    P.S. Ich habe dir zwischen verschiedenen Verpflichtungen geschrieben – ich hoffe es ist nicht zu wirr geworden!

    • Danke für deine Antwort. „Professionelle“ sind insoweit mit dran, dass die Therapeutin und der Ergotherapeut mit nach Lösungen suchen. Zur Psychiatrie habe ich arg eingeschränktes Vertrauen, bisher wurden bei Problemstellungen immer nur Medikamente vorgeschlagen. Die sind aber für mich keine dauerhafte Lösung. Im Notfall und befristet durchaus denkbar, aber bisher ziehe ich keine Psychopharmaka deswegen in Erwägung.

      Gespräche über das Thema funktionieren hier kaum. Er sagt, er weiß selbst nicht, warum er das macht und was ihm daran gut tut. Es wäre vermutlich leichter eine Alternative zu finden, wenn er seine Empfindungen beschreiben könnte. Ich versuche es weiter.

      Eine Gewichtsdecke haben wir probiert, das hilft nicht. Er kann da auch immer nicht wirklich ruhig liegen, der Bewegungsdrang ist dann stärker.

      Danke für deine Gedanken und die guten Wünsche! Und nein, es war kein bisschen wirr.

  4. wir machen daheim das sogenannte handle-programm
    unser kind verletzt sich nicht-aber uns
    das programm hilt ihm, sich zu spueren
    in deutschland macht das herr jaeckle aus muensingen

  5. Hat er irgendeinen neuen Stressor in seinem Leben oder kommt an irgendeinem Punkt, vielleicht auch in der Schule an seine Grenzen oder versteht irgendetwas nicht und setzt sich damit unter Druck? Wäre mal mein Ansatz, Zwänge gehen in der Regel mit zunehmender Sicherheit und Wohlfühlen zurück.

  6. Es gibt hier zwei Dinge, die mir wichtig erscheinen………

    das notwendige Stimming umleiten, Medi’s werden nur bedingt (eher nicht) helfen.

    und den Grund für das massive Stimming ergründen!

    Es liest sich für mich, als ob es gerade massive Probleme / Stressoren / Überforderungen gibt, denen Paul nicht ausweichen kann / will / möchte.

    Und trotzdem, dass er etwas aushalten will, dies eigentlich nicht kann. Das er noch nicht in der Lage ist, zu erkennen, wann etwas grundsätzlich ein „zu Viel“ ist.

    Als Vergleich dazu, Süßigkeiten sind toll und Kinder lieben sie, und überfressen sich.

    So erlebe ich meinen Sohn, er hat erkannt, dass er Kinder mag und entwickelt auch Spaß an der Interaktion mit anderen Kindern, aber er erkennt nicht, wenn er sich „überfrisst“, sich zu viel an sozialen Interaktionen zumutet. Er zu viel mitmachen möchte.

    Mein jüngster Sohn wird 9, und er ein Null – Gefühl der Selbstregulation, wenn es um soziale Interaktion mit Kindern in der Schule geht!

    Alles, was die Schulbegleitung als „toll geschafft“ und „super gemeistert“ rückmeldet, gerade wenn es etwas Besonderes ist oder es um ständige Veränderungen geht, kommt bei mir zu Hause als Overload, Stimming, Erschöpfungsschlaf und Erbrechen an.

    Selbst meine drei Großen (19, 17, 13) können nur bedingt überschauen, wann sie dabei sind, sich zu „überfressen“!!!

    Schau mal genau hin, was in den schlimmen Zeiten an Unruhe in der Schule herrscht………

    Und versuche mit Hilfe von Vielen (Therapeuten, Schulbegleitung, Lehrer usw.) das Stimming umzuleiten.

    Viel Kraft und gute Nerven
    Anita

  7. Ein kurzer Zwischenbericht: Vorletzte Nacht wachte Paul mit starken Schmerzen im Oberschenkel auf. So heftig, dass er wieder Schmerzmittel brauchte. Irgendwas hat diese Erfahrung bei ihm bewirkt. Jedenfalls ist die Intensität und die Dauer des Schlagens spürbar zurück gegangen. Ein Lichtblick.

  8. Zitat Anita: ‚Medi’s werden nur bedingt (eher nicht) helfen.‘ > ganz wichtig: viele Medikamente wirken bei uns Autisten wenig bis gar nicht oder, was ich noch viel schlimmer finde: paradox. Prof. Tebartz van Elst aus Freiburg hat eine Studie hierzu gemacht, bei der viele Mittel als wirkungslos und auch schädlich herausgearbeitet wurden!

    Das Argument mit dem Stressor hinkt für mich (RW), denn das Stimming scheint etwas zu sein, was er seit sehr vielen Jahren benötigt. Es sei denn, der Stressor ist seit jeher vorhanden.

    Als Idee: die Gewichtsdecken habe ich schon oft genäht und verschenkt, sie sind aber nicht für jeden machbar, so für Deinen Sohn. Eventuell wären aber verschiedene Gewichtssäckchen interessant? Man näht hierfür aus verschiedenen Materialien (unterschiedliche Stoffe für die taktile Wahrnehmung) unterschiedlich große Säckchen, füllt diese z.Bsp. mit Hülsenfrüchten (Linsen, Erbsen, Bohnen, Mais) oder Getreide (Vorsicht, würde ich vorher irgendwie behandeln, um wirklich jedes Insekt zu ‚vernichten, sonst hast du eine echte Sauerei). Das wichtigste ist hierbei die unterschiedliche Gewichtung, denn durch den unterschiedlichen Zug auf die Muskeln kann man auch eine Beruhigung auslösen.

    Ich weiß nicht, ob Dein Sohn das mitmachen würde, aber manchmal hilft es, das Kind mit diesen Säckchen spielerisch zu bedecken, ähnlich wie eine Gewichtsdecke, aber das Kind kann sich damit noch bewegen und auch schneller befreien.

    Dann: versucht es mit einem Boxsack. Handschuhe an und draufdreschen, so dass er sich total auspowert.

    Ich hatte gerade einen Gedankenblitz, kann es sein, dass er einen Muskelfaserschmerz hat, den er versucht mit diesem Trommeln auszumerzen? Oder, dass Nerven Ärger (Schmerzen) machen?

    Bei uns ist im Moment auch ‚Land unter‘, aber ich denke, gegen das was Du aushältst, ist es ein Witz… fühl Dich gedrückt.

  9. Ein Gedanke dazu, warum es mit zunehmender Zeit immer stärker wird.

    Es ist möglich, sich mit der Zeit, wenn man einen Reiz häufig spürt, daran zu gewöhnen. Es hilft dann nicht mehr, wenn man nur ein bisschen z.B. schaukelt. Das bewirkt nicht mehr den selben Effekt, dass man den eigenen Körper, die Position, die Körpergrenzen spürt, sondern es fühlt sich genauso leer und „nicht vorhanden“ an, wie zuvor ohne Stimming. Das kommt bei mir vor allem vor, wenn ich eine Bewegung über eine längere Zeit mache. Ich muss dann eben z.B. stärker schaukeln, mich intensiver bewegen, stärker klopfen, etc.

    Und das steigert sich dann immer mehr, je mehr ich mich daran gewöhne. Es sind also immer intensivere Reize nötig, um den selben Effekt zu erzielen. Es klingt für mich so, als wäre das bei deinem Sohn eine Möglichkeit.

    Ich selbst versuche, wenn ich das merke, das was ich tue zu verändern. Es hilft ein größeres Repertoire an wohltuenden Stimming-Arten zu haben, auf das ich zurückgreifen kann. Nicht stundenlang vor- und zurückschaukeln, sondern eben dann mal auf den Sitzball oder im Kreis laufen oder auf die Schaukel / Hängematte, mich unter etwas Schweres legen. Wenn es darum geht den Körper und die Bewegung zu spüren, müssen das natürlich dafür geeignete Stims sein. Wichtig ist, dass es eben nicht immer nur diese eine gleiche Bewegung ist, sonst tritt der beschriebene Gewöhnungseffekt ein.

    Das ist übrigens auch eine Gefahr bei Gewichtswesten. Man sollte sie nicht zu lange oder auf Dauer tragen, weil sonst immer höheres Gewicht notwendig wird, um die selbe Wirkung zu erzielen. Mir scheint, dass dein Sohn für diese Gewöhnung sehr empfänglich ist. (Es ist ja auch zusätzlich beruhigend, wenn man EINE vertraute Sache hat und sich nicht auf mehrere Dinge einlassen muss. Aber ich finde es wichtig – für mich.)

    Mein Tipp wäre also mal nach und nach verschiedene Sachen auszuprobieren und ihm auch Vorschläge zu machen, wenn er selbst nicht auf so viele Sachen kommen sollte. Es schadet auch nicht eine Liste daraus zu machen, die jederzeit sichtbar ist, wo er sich Ideen holen kann (evtl. auch mit dem Hinweis doch mal zu gucken). Um zu verhindern, dass er sich so sehr auf eine Sache fixiert, dass sie ihm dann nicht mehr genug hilft. Ich würde aber aufpassen nicht zu viele neue Sachen auf einmal zu versuchen, das ist womöglich dann zu stressig, um sich darauf einlassen zu können. Eins nach dem Andern erforschen und rausfinden, ob es gut tut. Wenn ja, dann auf die Liste und sie nach und nach erweitern.

    Vielleicht kannst du ihm das ja erzählen und er kann überlegen, ob das bei ihm auch so ist, wie ich es beschreibe (das muss ja nicht so sein, nur weil es bei mir so ist).

    Viele Grüße,
    Anna

  10. Hat Paul mal was dazu geäußert?
    ich frage mich, ob ihm das Kribbeln in den Fingern nach einem Schlag oder so einem Tippen vielleicht gefällt und er – wie Anna auch schreibt – das einfach nicht mehr spürt, wenn er es länger macht und deshalb immer heftiger werden muss mit dem Tippen/Schlagen um das Kribbeln noch zu fühlen.
    Vielleicht mag er mal testen, wie es für ihn ist, wenn er mit kalten Fingern auf eine Tastatur tippt?
    Es ist die Frage, ob es um den Schlag, einen Schmerz oder eine andere körperliche Empfindung geht – vielleicht kann man von da aus dann Schlüsse ziehen, ob es Stimming, entgleiste Gewohnheit oder SVV ist.

  11. Pingback: Selbstverletzungen – butterblumenland

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