Weltautismustag 2016 – Ein Wunschzettel

Okay, der Beitrag kommt einen Tag später, Weltautismustag war gestern. Das tut ihm hoffentlich keinen Abbruch.

Dieses Jahr schreibe ich einen Wunschzettel. In den nächsten Jahren werde ich immer mal wieder nachsehen, ob sich vielleicht der eine oder andere Wunsch davon erfüllt hat. Gleichzeitig soll dies auch eine Aufgabenliste für mich sein. Dinge von denen ich mir wünsche, dass sie sich ändern und für die ich mich aktiv einsetzen werde.

  1. Es muss aufhören, dass überwiegend über Autisten gesprochen wird statt mit ihnen. Selbst in den gestrigen Medienbeiträgen kamen Elternvertreter und Fachleute zu Wort, aber kein Autist.
  2. Keine Unterstützung mehr für Autism Speaks. Kein „Light it up blue“, keine Puzzleteile, kein Tragödiendenken. Mehr Hintergründe: Warum ich Autism Speaks boykottiere – Why I #BoycottAutismSpeaks
  3. Ein Ende von ABA. Diese Therapie bringt so viel Leid über autistische Kinder und ihre Familien. Jede Menge Infos dazu gibt es hier im Blog inklusive vieler weiterführender Links.
  4. Für den Anfang würde es mir erst mal reichen, wenn Aktion Mensch die Förderung von ABA-Projekten einstellt.
  5. Inklusion für alle und natürlich besonders für Autisten. Nicht nur in der Schule sondern in allen Lebensbereichen.
  6. Ein Ende des Ressourcen-Hickhacks. Es muss aufhören, dass Autisten ihre Diagnose abgesprochen wird, weil Angst davor geschürt wird, dass andere Autisten sonst keine Hilfen mehr bekommen. Das ist nicht nur völliger Schwachsinn sondern auch denkbar kontraproduktiv. Statt dass sich Eltern autistischer Kinder und erwachsene Autisten gemeinsam für wirksame Hilfen wie z.B. Assistenzen einsetzen, wird die eine Gruppe gegen die andere ausgespielt.
  7. Ein Verbot fragwürdiger Therapien wie MMS, Diäten, Chelattherapie, Stammzelltransplantationen und Co. Autisten sind keine Versuchskaninchen!
  8. Der unwürdige bürokratische Kampf um Hilfen soll vereinfacht werden. Die Gewährung sinnvoller Hilfsmittel und Eingliederungshilfen sollen nicht mehr von der Hartnäckigkeit und Durchsetzungsfähigkeit der Eltern abhängen sondern vom tatsächlichen Bedarf. Unsere Gesellschaft kann das problemlos leisten. Außerdem ist Planungssicherheit extrem wichtig. Es kann nicht angehen, dass im Januar entschieden wird, ob ab Februar die Schulbegleitung noch fortgeführt werden kann.

Ja, das sind große Wünsche und Ziele, das ist mir bewusst. Und die Umsetzung wird bei einigen Jahre dauern. Aber wenn wir es nicht anpacken, dann wird sich auch nichts ändern. Wenn wir uns nicht engagieren für die Rechte unserer Kinder, wer soll es denn sonst tun?

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10 Kommentare zu “Weltautismustag 2016 – Ein Wunschzettel

  1. Ich schließe mich Deiner Wunschliste an und arbeite selbstverständlich mit. 🙂

    Zur Schule noch ein wichtiger Nachtrag:

    Nachteilsausgleiche bitte endlich als Ausgleich von Nachteilen würdigen und vor allem auch genehmigen.
    Die Praxis, diese so lange hinauszuzögern, oder so verallgemeinert darzustellen, dass man sie nicht nutzen kann, muss aufhören!
    Wenn von Anfang an mit Hilfe eines Nachteilsausgleiches gelernt werden darf, so kann das Kind viel stressärmer lernen!

    Und zu Punkt 1, ganz vereinzelt habe ich dieses Jahr Interviews mit Autisten in Zeitungen gelesen. Es darf und muss mehr werden.
    Zum Weltaustismustag sich auf die rein defizitäre Seite zu begeben, sollte sich den Medien allerdings verbieten!

  2. Ich halte die aufgeführten Punkte für gute Ziele.
    Nochmal eine kleine kleine Frage.
    Das Quacksalbergedöns mit Diäten, MMS und co. kenn ich schon aber was haben sich die Leute mit dieser „Chelattherapie“ gedacht ?
    Ich weiß das z.B. im Notfall EDTA verwendet werden kann, wenn man sich bei Arbeiten im Labor eine Schwermetallvergiftung zuzieht, weil Liganden (besonders mehrzähnige) Komplexe mit den Schwermetallatomen oder ionen von solchen bilden und dadurch im Körper unschädlich machen.
    Ich habe nie davon gehört, dass irgendwelche Leuten es versuchen Eltern autistischer Kinder zu verkaufen.
    Das hängt doch hoffentlich nicht mit dem alten Hut von wegen Schwermetall in Impfstoff=Autismus zusammen oder ?
    Einige lernen wohl wirklich niemals.

    • Doch, genau mit diesem uralten Märchen hängt es zusammen. Die Verfechter der Chelattherapie behaupten, dass Autismus durch eine Schwermetallvergiftung ausgelöst sei. Nicht nur durch die Impfungen sondern auch durch die ganz normale Nahrung. Dann gibt es irgendwelche ominösen Mittel intravenös. Das hat unter anderem auch schon zu Todesfällen bei autistischen Kindern geführt.

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