Darf es noch ein Diagnöschen mehr sein?

Ich frage mich gerade, ob wir nicht auch einfach mal eine Baustelle auslassen könnten. Anscheinend wohl nicht, Paul schreit immer dann laut „hier“, wenn es mal wieder medizinische Probleme und Problemchen zu verteilen gibt.

Und so war es anscheinend auch diesmal. Seit einigen Monaten fiel uns schleichend – aber immer deutlicher werdend – auf, dass Paul ein Problem mit dem Hören hat. Anfangs dachten wir an eine dieser Phasen, in denen er auf einfache Ansprache nicht reagiert. Das hatten wir schon öfter und meist steckte ein Entwicklungsschub dahinter. Dann benötigt er einfach zusätzlich zum gesprochenen Wort noch einen körperlichen Reiz (an die Schulter fassen z.B.), um zu merken, dass jemand etwas von ihm möchte. Recht unproblematisch eigentlich. Das war diesmal „irgendwie“ anders. Er reagierte nicht nur nicht auf Ansprechen, auch sein Verhalten im Straßenverkehr wurde zunehmend unsicherer. Er spricht wieder in sehr hohen Tonlagen, ein Problem, was wir schon fast überwunden glaubten.

Eigentlich hätten bei mir wohl schon längst die Alarmglocken geläutet, aber ich war abgelenkt durch größere, bedrohlichere Verdachtsdiagnosen. Eine Stoffwechselstörung stand im Raum, der Kopfumfang nahm einfach nicht zu (ein kritischer Indikator bei Microcephalie) und ein Hodenhochstand sollte operativ behoben werden. Da Pauls letzte Narkose mir immer noch in alptraumhafter Erinnerung ist, hatte ich ein wirklich flaues Gefühl im Magen. Hätten sich die Verdachtsmomente bestätigt, hätten wir eventuell sogar gleich 2 Vollnarkosen in kurzer Zeit vor uns gehabt. Doch zum Glück löste sich soweit alles in Wohlgefallen auf. Der Stoffwechsel scheint normal zu sein, die Hoden sind zwar etwas „sprunghaft“ durch starke Reflexe, und der Kopfumfang legte tatsächlich um 4mm zu. 4mm, die mir in dem Moment die Welt bedeuteten. Das angesetzte MRT konnte somit ebenfalls aufgeschoben werden. Erleichterung auf ganzer Linie….

Trotzdem ließ ich mir für Paul über das SPZ einen Termin in der Pädaudiologie machen. Ich selbst hatte schon wochenlang versucht, dort jemanden ans Telefon zu bekommen, aber als externer Anrufer Erfolg zu haben scheint einem 6er im Lotto gleich zu kommen. Intern nahm nach dem 2. Klingeln jemand ab und wir bekamen den ersehnten Termin. Notiz an mich: Nächstes Mal einfach direkt ein Telefon der Uniklinik benutzen zum Anrufen Auch in Hinblick auf die Einschulungsuntersuchung, das Gesundheitsamt möchte gerne eine aktuelle Einschätzung, ob eine auditive Wahrnehmungsstörung vorliegt. Gestern war es dann so weit, der Termin stand an. Ich hatte Paul wie bei jedem Arzttermin zu Hause darauf vorbereitet, wo wir hinfahren und was dort gemacht wird. Habe ihm erklärt, wie ein Hörtest funktioniert und dass er den Anweisungen folgen soll. Das funktioniert bei ihm erstaunlich gut. Seitdem laufen unsere Arzttermine viel entspannter ab…mit der Folge, dass gerne mal die Autismusdiagnose angezweifelt wird, weil er ja „antwortet“ oder „mitmacht“ Kopf trifft Tischplatte Entschuldigung, ich bin abgeschweift. Paul machte sehr gut bei den Testungen mit und ließ sich auch problemlos die Ohren untersuchen. Eine auditive Wahrnehmungsstörung hat er nicht jippieh Trommelwirbel, dramatischer Blick der Ärztin: „Ihr Sohn kann aber ganz schlecht hören“ Ja, das haben wir auch schon bemerkt. Lange Rede, kurzer Sinn: Er hat Wasser hinter beiden Trommelfellen, sein Hörvermögen ist dadurch stark eingeschränkt. Jetzt sollen wir ihm 1 Woche lang Nasentropfen geben und wenn das nicht wirkt (was die Ärztin vermutet, da kein erkennbarer Auslöser vorliegt), muss operiert werden. seufz Also doch Narkose…

Erstmal dürfen wir aber zur Kontrolluntersuchung in 4 Wochen (natürlich darf nicht der ortsansässige HNO die Kontrolle machen). Ihr dürft dann einfach mal die Daumen drücken, danke.
Und demnächst schreibe ich wohl mal über eines meiner interessanten „Hobbys“: Fahrten zur 70km entfernten Uniklinik durch Baustellen und Berufsverkehr für eine 10minütige Untersuchung Galgenhumor

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