Nachklapp zu ABA und gefährliche Quacksalberei

Mein letzter Beitrag über die Verbindung zwischen ABA und Quacksalberei hat inzwischen die betreffende Person erreicht. Sie war so sprachlos, dass sie gleich eine Antwort darauf geben musste.

In meiner Email, die Butterblumenland gepostet hat, steht ganz klar drin, dass ich NICHT die Antibiotikagabe empfehle.

Stimmt. Sie hat extra geschrieben, dass ihre Worte natürlich keine Empfehlung sind, aber dies ein sehr interessantes Thema sei und Dr. Klinghardt sich sehr gut damit auskenne. Sie hätte aber klar stellen müssen, dass die Gabe von Antibiotika überhaupt nichts mit Autismus zu tun haben und zudem durchaus gefährlich sein kann. Immerhin beruft sich ja gerade ihre Firma so sehr auf wissenschaftliche Evidenz.

Ferner habe ich nicht geschrieben, dass Autismus mit Borreliose gleichzusetzen ist, sondern lediglich, dass Dr. Klinghardt angeblich herausgefunden haben soll, dass 80% seiner Patienten mit ASS eine Borreliose haben. (Ich habe NICHT geschrieben, dass ich diese Aussage unterstütze!)

Sarkasmus on Nein, natürlich unterstützt sie diese Aussage keineswegs. Ich schreibe ja auch immerzu Dinge im Internet, die ich total ablehne. Sarkasmus off Die Verlinkung auf die Seite von Dr. Klinghardt war bestimmt auch nur ein Versehen und keinesfalls der schlecht versteckte Hinweis, sich dort weiter zu informieren.

Es handelt sich daher mal wieder um ein gutes Beispiel, wie Dinge mutwillig verdreht werden, um nicht nur Knospe-ABA, sondern auch ABA ins schlechte Licht zu rücken.

Ich brauche ABA gar nicht mutwillig in ein schlechtes Licht zu rücken, das machen sie schon ganz alleine. Wäre ABA so wirkungsvoll, wie sie es behaupten, dann müssten nicht zusätzlich diverse Quacksalbereien direkt oder indirekt empfohlen werden. Ich brauche mir nur die Seite der „ABA-Eltern“ anzugucken, um zu wissen, wie groß der Zusammenhang zwischen ABA und Kindesmisshandlung durch Chelattherapie (es gibt Todesfälle dadurch, auch unter autistischen Kindern), MMS, Sauerstoffüberdrucktherapie, „Entgiftung“, gfcf-Diät und Co. tatsächlich ist. Auf solche kruden Ideen kommen Eltern, die den Autismus ihres Kindes mit aller Macht bekämpfen wollen. Die Rhetorik kennen wir doch? Zitat von der Knospe-Homepage „den Autismus zu besiegen“. So schließt sich der Kreis.

Auf das Thema MMS und die Hirngespinste von Dr. Klinghardt ging Frau Schramm dann auch nicht weiter ein, was mich leider nicht überrascht hat. Wünschenswert wäre an dieser Stelle eine deutliche Distanzierung gewesen. Man wird ja wohl mal träumen dürfen. Mir ist natürlich klar, dass die „Biomediziner“ und die ABA-Anbieter sich gegenseitig in die Karten spielen.

Achtung Insiderwitz Krieg ich jetzt mein Popcorn?


Update 18.06.2015

Natürlich ist die Aussage, die diesen und den letzten Blogpost ausgelöst hat, nicht der einzige Hinweis auf die Verflechtungen zwischen ABA und Biomedizin. Wenn man genauer hinschaut, fallen einem die Hinweise auch so auf.

Werfen wir doch mal einen kurzen Blick auf die Homepage.

Es findet sich unter den ABA-Artikeln ein Nachruf auf Dr. Rimland. In diesem Nachruf wird mehrmals die biomedizinische Behandlung erwähnt und gelobt. Ein kurzer Auszug (Hervorhebungen von mir):

Knospe_Rimland

Dr. Rimland ist der Gründer von ARI (Autism Research Institute) und DAN! (Defeat Autism Now!). „Defeat Autism Now!“. Das lasse man sich mal ganz langsam auf der Zunge zergehen…“Bekämpfe Autismus jetzt!“. Unter diesem Label wurden verschiedene biomedizinische Behandlungen entwickelt und getestet. Rimland selbst verkündete immer wieder, dass ABA alleine keinesfalls ausreichend sei, um den Autismus zu besiegen. DAN! hat eigentlich schon ein eigenes Kapitel im „Kuriositätenkabinett des Grauens im Umgang mit Autisten“ verdient. Schlimmer geht es fast nimmer.
Was ist dann also von diesem Nachruf zu halten, der eben nicht nur den Einsatz für die Verbreitung von ABA lobt sondern ganz explizit auch unterschiedliche biomedizinische Ansätze von Impfgegnerschaft bis Autismusdiät lobend erwähnt?

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