Sowas wie Gerechtigkeit

Erinnert ihr euch an den Fall London McCabe, über den ich auch schrieb? Diesen wunderschönen autistischen Jungen, der mich so sehr an meinen Paul erinnerte? Seine Mutter bekannte sich vor Gericht schuldig und wurde wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe mit Aussicht auf Bewährung nach frühestens 25 Jahren verurteilt. Das ist zumindest ein ansatzweise gerechtes Urteil.

Im Lauf des Verfahrens stellte sich heraus, dass sie sowohl den Mord an ihrem Sohn als auch ihre Verteidigung von langer Hand geplant hatte. Es war also weder eine Kurzschlussreaktion noch wusste sie vor lauter Verzweiflung weder ein noch aus. Sie wollte einfach „frei sein“. Sie plante auf unzurechnungsfähig zu plädieren, setzte vor dem Mord ein paar Hinweise auf psychische Störungen indem sie behauptete Stimmen zu hören und kundschaftete gleichzeitig aus, welche Brücke sich wohl eignen würde, ihren Sohn zu „entsorgen“. Also ein sehr perfider Plan.

Diejenigen, die damals die Mutter in Schutz genommen haben würde ich am liebsten fragen, ob sie immer noch zu ihren Worten stehen.

In Gedanken bin ich heute bei London McCabe und all den anderen autistischen Kindern, die von ihren Eltern ermordet wurden. Ruht in Frieden.

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Es gibt keine Entschuldigung

In den letzten Tagen ging das Bild eines wunderschönen 6jährigen Jungen durch einige Medien und über Facebook. Leider aus einem sehr traurigen Anlass. London McCabe wurde von seiner Mutter von einer Brücke geworfen. Er starb. Alleine das macht mich traurig.

Richtig fassungslos bin ich aber über Kommentare, die es verurteilen, dass die Mutter als Mörderin bezeichnet wird. Man solle doch erst mal „in ihren Schuhen gelaufen sein“, dann erst dürfe man ein Urteil fällen. Die arme Frau sei doch so sehr belastet gewesen, weil ihr Sohn Autist ist. Da müsse man doch Verständnis haben. Und nicht sie sei schuld am Tod ihres Kindes sondern „das Umfeld“.

Nein!

Es ist die Aufgabe einer Mutter, ihr Kind zu beschützen. Notfalls eben auch vor sich selbst. Es gibt keine Rechtfertigung, keine Entschuldigung für solche Taten.Man zieht nicht einfach an einem Herbsttag sein Kind an, geht mit ihm zu einer Brücke und wirft es runter. Oder ersticht, vergiftet, ertränkt, erschießt es. Autismus (oder jede andere Art von Behinderung) ist genauso wenig eine Erklärung für Mord wie Geldsorgen, schlechtes Wetter oder Langeweile. Mir wird Angst und Bange, wenn ich lese, wie viele (hauptsächlich) Mütter autistischer Kinder da sagen „Ach, die arme Frau“. Denkt denn niemand an das Kind? Es freut sich, mit seiner geliebten Mutter spazieren zu gehen. „Oh, was macht Mami denn jetzt? Sie hebt mich hoch, damit ich besser gucken kann.“ Dann fiel er über 40 Meter tief in den eiskalten Fluss. Niemand weiß, wie lange sein Todeskampf dauerte. Er wurde erst nach Stunden gefunden. Dafür gibt es kein Verständnis, darf es nicht geben.

Niemand sagt, dass es immer einfach ist, mit einem oder mehreren autistischen Kindern zu leben. Aber für Mord darf es keinen Grund geben und keine Gnade, nur weil das Kind autistisch ist.