Schmerzempfinden

Da ist es wieder, das eingeschränkte Schmerzempfinden. Ich dachte eigentlich, es hätte sich inzwischen halbwegs normalisiert. Zumindest wirkte es so. Paul sagte in den letzten Jahren zunehmend, was ihm wo weh tat und wie heftig er den Schmerz empfindet. Eine gute Skala war auch zu fragen, ob er „Medizin“ (Schmerzsaft für Kinder) braucht. Natürlich waren wir trotzdem immer sehr aufmerksam. So ein Erlebnis wie mit dem Daumen in der Autotür kann ganz schön erschreckend sein. Paul hatte den Daumen in der Tür als er selbst sie zuwarf. Er zuckte kaum, gab keinen Laut von sich. Aber das Nagelbett war verletzt und unter dem Nagel bildete sich eine große Blutblase. Es ist recht schwierig, in der Notaufnahme zu erklären warum man da ist, wenn das Kind doch eigentlich einen munteren Eindruck macht. Viele Ärzte nehmen einen als Eltern nicht ernst, wenn man sagt, dass das Kind ein recht seltsam anmutendes Schmerzempfinden hat.

Heute war es wieder so weit. Gestern erzählte Paul beiläufig, dass ihm ein ganz spezielles männliches Körperteil „ein kleines bisschen“ weh tut. Heute war ohnehin Termin bei der Kinderärztin. Sie schaute nach und stöhnte förmlich auf „Das muss richtig heftig weh tun“. Das glaube ich allerdings auch, nachdem ich genauer hingeschaut habe. Nur Paul ist davon völlig unbeeindruckt und versteht gar nicht, warum da jetzt von uns ein Riesenaufwand mit Sitzbädern, antibiotischer Salbe und ärztlicher Nachkontrolle gemacht wird. „Mama, das kitzelt doch nur ein bisschen“.

Im Gegenzug sind oft auch schon leichte Berührungen und Streichler für ihn tatsächlich schmerzhaft. Das kann auch kaum jemand nachvollziehen. Oder warum sich die Haarbürste anfühlt wie eine Drahtbürste, das Wasser aus der Dusche wie tausend Nadelstiche. Da bemerkt man sie wirklich, die andere Wahrnehmung.

Was mir noch wichtig ist: Liebe Eltern da draußen, auch wenn euer Kind ein eingeschränktes Schmerzempfinden hat, müssen Verletzungen natürlich vernünftig versorgt und oft auch ärztlich kontrolliert werden. Es kann sein, dass ein Knochenbruch völlig unbemerkt bleibt. Habt ihr also den Verdacht, dass es etwas Ernsthaftes sein könnte, geht bitte lieber einmal zu oft zum Arzt. Mich verfolgt immer noch ein Fall, über den ich mal gelesen habe. Ein kleines Kind verbrühte sich einen Arm mit kochendem Wasser und wurde nicht sofort in die Notaufnahme gebracht mit der Begründung, dass es ja ein eingeschränktes Schmerzempfinden habe. Solche Verletzungen bei Kleinkindern sind akut lebensbedrohlich. Auch wenn sie nicht vor Schmerzen brüllen. Bitte behaltet dies im Hinterkopf.

Und jetzt bin ich gespannt auf eure Erfahrungsberichte.